Ratgeber

So kreieren Sie mit einer Mehrfachbelichtung stimmungsvolle Fotos

Eine Landschaftsaufnahme muss nicht immer von vorne bis hinten scharf sein. Martin Oberwinster verrät Ihnen, wie Sie mittels einer Doppel- bzw. Mehrfachbelichtung tolle Ergebnisse erzielen.

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Verträumte Stimmung per Doppelbelichtung

Möchten Sie Ihren Fotos einen verträumten Look verleihen oder einfach zwei verschiedene Motive überlagern? Einige der heutigen Digitalkameras können zwei oder mehrere nacheinander aufgenommene Bilder zu einem Bild verschmelzen. Viele DSLR- und CSC-Modelle sind in der Lage, die Mehrfachbelichtung kameraintern zu verarbeiten und als Endergebnis sogar eine fertige RAW-Datei zu erzeugen. So geht’s:

In der Kamera einstellen

Durch die Überlagerung einer scharfen und meist einer nahezu unscharfen Aufnahme erhält ein Bild eine besonders verträumte, zarte oder malerische Stimmung. Empfehlenswert ist grundsätzlich der Einsatz eines Stativs (hier finden Sie unseren aktuellen Stativ-Test), da die einzelnen Aufnahmen der Mehrfachbelichtung bei Verwackelung nicht korrekt übereinanderliegen und so vielleicht ungewünschte Konturen entstehen. Stellen Sie nun die Funktion Mehrfachbelichtung und Belichtung durchschnittlich oder Automatische Belichtung in Ihrer Kamera ein. Starten Sie mit zwei Aufnahmen. Schalten Sie den Autofokus am Objektiv aus und den LiveView-Modus für die Motivgestaltung und Schärfeeinstellung ein. Für das erste Bild wählen Sie eine mittlere Blende (z. B. f/13) für eine große Schärfentiefe, stellen Sie scharf und lösen aus. Nutzen Sie nun die größtmögliche Blende (z. B. f/2,8) und defokussieren Sie am Objektivring. Die Defokussierung und Unschärfeüberlagerung können Sie gut im LiveView beurteilen. Lösen Sie aus, fertig!

In der Naturfotografie bieten sich vornehmlich Pflanzen und Pilze oder auch recht grafische bzw. strukturierte Motive wie Waldaufnahmen an. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, aber übertreiben Sie es nicht. Die abstrakte Fototechnik sollte immer bewusst und nicht als reine Effekthascherei eingesetzt werden. Mehrfachbelichtungen müssen aber nicht zwingend unscharf sein. Probieren Sie die Überlagerung von Strukturen mit grafischen Flächen, z. B. Baumverästelungen gegen den hellen Himmel in Kombination mit einer dunkel spiegelnden Wasseroberfläche. Der Kontrast zwischen beiden Aufnahmen sollte hoch sein, damit sich beide Belichtungen voneinander abheben. Genauso kann bei einer Doppelbelichtung auf zwei unterschiedlich entfernte Objekte fokussiert werden, um beide scharf in einer Aufnahme zu vereinen.

Scharf vs. unscharf

Mehrfachbelichtungen sind an windigen Tagen schwer umsetzbar. Einzelaufnahmen werden hier schon zur Geduldsprobe. Ebenso sind Weitwinkelobjektive, da sie von technischer Seite aus schon eine recht große Schärfentiefe mitbringen, weniger geeignet für Mehrfachbelichtungen. Empfehlenswert sind eher Telezooms beziehungsweise Teleobjektive.

Unscharfer Schwenk

Wer vor Kreativität sprüht, der kann mal zur Abwechslung „wischen“. Die Wischertechnik wird bevorzugt bei Landschaftsaufnahmen eingesetzt. Die Kamera wird dabei während der Belichtungszeit geschwenkt, ob vertikal, horizontal oder kreisförmig – der Experimentierfreude sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Dadurch verwandeln sich alle Elemente im Bild in abstrakte Linien und Formen, wie es in unserem Waldbild zu sehen ist. Je farbenfroher diese Objekte sind, desto interessanter wird auch die verwischte Aufnahme. Der eine oder andere Fotograf soll auch schon mal beim Belichten am Stativ gerüttelt, die Kamera geschüttelt oder im Gehen auf den Auslöser gedrückt und ein super Bild erzielt haben. Eine fest zuvor eingestellte Belichtungszeit zwischen 1/4s bis 1/20s ist hier oft die richtige Wahl.

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