Architektur ist für Albrecht Voß mehr als Motiv – sie ist Ausdruck von Haltung, Zeit und Nutzung. Im Interview gibt er Einblick in seine fotografische Praxis, seine gestalterischen Entscheidungen und die langfristige Arbeit an freien Serien, Raum und Details.

Albrecht Voß im Interview: Gebaute Ästhetik
Albrecht Voß hat sich früh für Design und Architektur begeistert und fotografiert seit vielen Jahren mit Fokus auf den gebauten Raum. Uns erklärte er, wie er Licht, Perspektive und Umgebung beobachtet, um daraus stimmige Bildserien zu entwickeln.
DigitalPHOTO: Wie hat Ihr Weg zur Architekturfotografie begonnen?
Albrecht Voß: Die Wertschätzung für ansprechendes Design steckte schon immer in mir. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich mir die Universitäten, an denen ich studiert habe, auch aufgrund ihrer Architektur ausgesucht habe.
In einer schönen Umgebung geht es mir einfach besser. Außerdem hatte ich als junger Erwachsener keine Models in meinem Bekanntenkreis, die ich fotografieren konnte. Häuser dagegen gab es immer – und sie waren bei meinen ersten Versuchen sehr geduldig.
Beruflich habe ich mich für die Architekturfotografie entschieden, weil es hier auch in den 2010er Jahren im Vergleich zu vielen anderen Fotogebieten noch gute Budgets gab. Auch nach 15 Jahren im Geschäft kann ich mir kein besseres Gebiet vorstellen.
Wie definieren Sie heute Ihre Rolle als Architekturfotograf?

Mein Antrieb war es schon immer, Dinge, die mich interessieren, mit anderen Menschen zu teilen – und bei mir ist es die Auseinandersetzung mit dem gebauten Raum.
Ich beobachte den Verlauf der Sonne über die Fassade, die Interaktion von Menschen mit Räumen und den Einfluss des Wetters auf die Wirkung eines Gebäudes und versuche, daraus eine kohärente Bildserie zu erstellen, die Besonderheiten von Material, Lichtdesign und Nutzungsmöglichkeiten einfängt.
Wenn dabei Bilder entstehen, die man sich am liebsten als Kunstwerk an die Wand hängen möchte, ist mein Ziel erreicht – dann habe ich das Besondere im Alltag gefunden.
In Ihren Serien kombinieren Sie Totalen mit präzisen Details. Wie planen Sie Ihre visuelle Dramaturgie?


Das hat sich mit der Zeit verändert. Früher habe ich oft mit extremen Brennweiten wie 16 mm oder 300 mm fotografiert, weil die neue Sichtweise faszinierend war.
Nach 15 Jahren täglicher Fotografie brauche ich diese Verfremdung aber nicht mehr. Heute arbeite ich meist zwischen 24 und 35 mm, ergänzend mit 70 bis 100 mm fürs Detail. Unverzichtbar sind für mich Shift-Objektive:
Statt die Kamera anzukippen, verschiebe ich das Objektiv, verhindere stürzende Linien und dokumentiere Gebäude so, wie sie gebaut wurden.
Wie entscheidend ist das Licht für Sie?

Meine Shootingtage werden immer vom Licht diktiert. Mit der App Photopills plane ich exakt, zu welcher Uhrzeit die Sonne auf welche Fassade, durch welches Fenster scheint.
Vor Ort suche ich nach den Interaktionen, die ein Haus mit seiner Umwelt eingeht. Das sind keine losgelösten Studiofotos, sondern immer Symbiosen aus Lebensraum und gebautem Raum.
Hier im Artikel zeigen wir unter anderem Ihre freien Serien Enlighten und Eternal Echoes – wie entstehen diese?

Die Serien entwickeln sich über Jahre und sind noch nicht abgeschlossen. Enlighten entstand nach meinem Sieg bei den Hasselblad Masters und führt meine Architektur-Dokumentation in den Alpen fort – nächtlich leuchtende Berghütten sind dabei mein international bekanntes Markenzeichen.
Eternal Echoes entstand aus dem Wunsch nach einem Thema vor der Haustür. Windkraftanlagen stehen für mich für nachhaltigen Fortschritt und wirken heroisch und monumental.
Geprägt wurde die Serie durch meine Lektüre im Medium Format Magazine sowie durch Fotografen wie Bastiaan Woudt und Michael Kenna.
Seit wann arbeiten Sie mit Hasselblad?

Als Preis bei den Hasselblad Masters habe ich die Hasselblad X2D gewonnen – und sie hat mich sofort komplett überzeugt. Bildqualität, Farben und Dynamikumfang sind überragend und zeigen sich besonders in großformatigen Prints.
Die 100-Megapixel-Dateien machen jede Aufnahme zu etwas Besonderem – deshalb nutze ich die Kamera ausschließlich für meine Fine-Art-Serien, wo maximale Qualität zählt.

Albrecht Voß lebt und arbeitet in Leipzig und ist seit 2012 als Werbefotograf und Filmproduzent auf Architektur spezialisiert. Mit Lightpainting, Video-Animationen und Drohnenaufnahmen zeigt er Gebäude aus neuen Perspektiven.

