Beauty- und Produktfotografie mit klarer Handschrift: Mona Strieder über Licht, Markenästhetik und ihren Weg zur reduzierten Bildsprache.

Mona Strieder im Interview: Simply beautiful
Klare Linien, präzise Lichtführung und ein feines Gespür für Markenästhetik: Mona Strieder verbindet Beauty- und Produktfotografie zu einer reduzierten, modernen Bildsprache. Im Interview spricht sie über ihren Weg, ihre Arbeit mit Licht und das Zusammenspiel von Technik und Feingefühl.
DigitalPHOTO: Lassen Sie uns auf Ihre Anfänge blicken. Wie haben Sie die Fotografie für sich entdeckt?
Mona Strieder: Man kann sagen, dass das Interesse an der Fotografie in der Familie liegt. Auch meine Schwester und meine Mutter fotografieren gern. Ich bin schon früh mit der Kamera losgezogen, habe im Urlaub fotografiert oder den Familienalltag festgehalten.
Und wann wurde daraus eine Passion?

Als ich anfing, Freunde zu porträtieren, merkte ich, dass mir das Spaß macht. Vor allem Nahaufnahmen von Menschen faszinierten mich. Das war im Grunde der erste Schritt zur Beauty-Fotografie. Später investierte ich in Studio-Equipment, wagte mich an kontrolliertes Licht und inszenierte Settings.
Ein prägender Moment war auch, dass ich relativ früh mit L’Oréal zusammenarbeiten durfte. Ein solcher Referenzkunde zu Beginn der Karriere ist natürlich ein Türöffner – aber es war für mich vor allem eine Bestätigung, dass meine Arbeit auch Kunden im professionellen Umfeld überzeugen kann.
Wie haben Sie Ihre klare, reduzierte Bildsprache entwickelt?

Das hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Früher habe ich viel ausprobiert, habe mit ausgefallenen Ideen gearbeitet, Neonfarben oder Spezialeffekte verwendet. Mit der Zeit hat sich mein Fokus verändert.
Ich habe angefangen, bewusster darüber nachzudenken, welche Bildsprache für Marken im Beautyund Kosmetikbereich funktioniert. Statt möglichst viele Ideen in ein Bild zu packen, wurde für mich entscheidend: Was ist das Wesentliche? Worauf soll der Blick gelenkt werden?
Wie kann man sich einen typischen Auftrag vorstellen, und was wird konkret von Ihnen erwartet?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Kunden kommen mit einem bereits ausgearbeiteten Briefing, inklusive Moodboard oder detaillierter Shotlist. Häufig werde ich jedoch bereits in der Konzeptphase eingebunden.
Dann definiere ich gemeinsam mit dem Kunden zunächst das Ziel der Kampagne oder des Shootings: Welche Botschaft soll transportiert werden? Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Wo werden die Bilder eingesetzt?
Auf dieser Basis sammle ich Ideen und entwickle daraus eigene Moodboards und Konzepte, die ich dem Kunden präsentiere und gemeinsam abstimme. Mir ist wichtig, dass wir vor dem Shooting eine klare Bildsprache definieren. Am Set übernehme ich in der Regel die Leitung.
Ich setze das Licht, entwickle die Produkt-Setups, dirigiere die Models und achte darauf, dass jedes Detail stimmig ist. Oft entscheidet selbst ein minimaler Unterschied in Licht oder Pose über die Wirkung eines Bildes. Von mir wird nicht nur technische Präzision erwartet, sondern auch ein tiefes Verständnis für Marken.
Wie bauen Sie in kurzer Zeit Vertrauen zu Menschen auf, die Sie kaum kennen?

Vertrauen ist essenziell. Der Aufbau beginnt oft schon vor dem eigentlichen Shooting. In Vorgesprächen lernt man sich kennen, klärt Erwartungen und entwickelt ein gemeinsames Verständnis.
Mir ist es wichtig, nahbar und offen gegenüber meinen Kunden zu sein. Ich lege großen Wert auf Kommunikation auf Augenhöhe – professionell, aber nicht distanziert. Meine Kunden sollen spüren, dass sie sich auf meine Expertise verlassen können, dass ich sie ernst nehme und ihre Ziele verstehe.
Lassen Sie uns noch über die Lichtsetzung sprechen, die bei Ihnen sehr markant ist. Welches Set-up nutzen Sie?

Die Lichtstimmung, die ich wähle, richtet sich nach Konzept und gewünschter Stimmung. Licht ist für mich kein Zufall, sondern ein gezielt eingesetztes Gestaltungselement. Weiches Licht erzeugt eine harmonische, gleichmäßige Ausleuchtung und eignet sich besonders dann, wenn ein natürlicher, softer oder eleganter Look geschaffen werden soll.
Es vermittelt Ruhe und Zeitlosigkeit. Hartes Licht hingegen kann Konturen stärker definieren, Kontraste hervorheben und einem Bild mehr Charakter verleihen. Es erzeugt häufig eine stärkere Spannung.
Welche Rolle spielt die Nachbearbeitung in Ihrem Workflow?

Die Nachbearbeitung ist der letzte Feinschliff eines Bildes. Natürlich beginnt Qualität nicht in Photoshop, sondern bereits am Set. Licht und Details müssen von Anfang an präzise umgesetzt werden. Die Retusche dient dazu, diese Basis zu veredeln.
Inzwischen hat sich gerade im luxuriösen Segment der Branche eine sehr natürliche Bildbearbeitung etabliert. Die Haut wird optimiert, aber nicht verändert. Texturen bleiben erhalten. Das Ziel ist ein perfektioniertes, aber glaubwürdiges Ergebnis.
Marken wollen reale Menschen zeigen. Auch die Konsumenten wünschen sich Bilder, die ästhetisch sind, aber nicht künstlich. Deshalb optimiere ich, ohne zu verfremden.
Sie fotografieren auch Produkte: Was ist anspruchsvoller zu inszenieren: ein Gesicht oder ein Objekt?

Technisch war für mich lange die Produktfotografie die größere Herausforderung. Während sich ein stimmiges Lichtsetup bei Gesichtern meist gut übertragen lässt, reagiert jedes Produkt anders auf Licht.
Materialien, Spiegelungen und Texturen erfordern oft sehr präzise und zeitintensive Anpassungen. Die Arbeit mit Models stellt dagegen weniger technische, sondern vor allem kommunikative Anforderungen.
Produkte verlangen technisches Knowhow, Menschen zwischenmenschliches Gespür – genau diese Mischung macht meine Arbeit so vielseitig.

Mona Strieder ist Beauty- und Produktfotografin und arbeitet seit 2018 für internationale Kosmetikmarken wie L’Oréal, Estée Lauder und Lancôme. Ihre Arbeiten stehen für eine klare Bildsprache und präzise Lichtführung.

