Florian Deventer inszeniert Modefotografie wie einen Kinofilm: mal atmosphärisch und zurückhaltend, mal farbenfroh und stilisiert. Im Interview spricht er über die Entwicklung seiner Bildideen, die Bedeutung der passenden Location und seinen Umgang mit Licht und Technik.

Models, Mode, Mood: Florian Deventer im Interview
Herr Deventer, wenn man sich Ihr Portfolio ansieht, finden sich darin sowohl atmosphärische, natürliche Aufnahmen als auch knallige, stilisierte Fotos. Was macht für Sie den jeweiligen Reiz aus?
Wenn man so möchte, versuche ich immer einen Kinofilm in Fotos zu erzählen. Manchmal ist es ein Drama, dann fotografiere ich eher atmosphärisch, dann wiederum kann es ein „Gute- Laune-Film“ sein – und ich greife zur bunten Farbpalette.
Tatsächlich ist die Film-Thematik bei Ihnen nicht weit hergeholt, denn Sie entstammen einer Filmfamilie.

Nun ja, mein Vater war Kameramann, daher bin ich wohl mit dem Thema aufgewachsen. Außerdem hatte er immer eine Contax-RTS-Spiegelreflexkamera herumliegen, mit der ich selbst fotografieren durfte.
Und wie sind Sie Fotograf geworden?
Die Fotografie war anfangs mein Hobby, bis ich eines Tages auf meiner Couch saß, meine Kamera ansah und beschlossen habe, das Ganze professionell zu machen.
Eine Fotoschule habe ich nicht besucht. Ich habe mich für die Modefotografie entschieden, da man Welten und Geschichten kreieren kann. Man fotografiert nicht einfach nur das, was schon da ist, sondern ändert aktiv Licht und Stimmung.
Mode unterliegt ständig neuen Trends. Wie schaffen Sie es, Bilder zu fotografieren, die dennoch zeitlos wirken?

Aktuelle Trends spielen für mich durchaus eine Rolle – allein schon, um nicht altbacken oder langweilig zu wirken. Gleichzeitig achte ich darauf, es nicht zu übertreiben und den Fotos meinen eigenen Stil zu verleihen.
Wie entwickeln Sie ein Shooting? Beginnen Sie eher mit einer Bildidee, einer Location oder beispielsweise einem Kleidungsstück?
Meistens beginne ich mit einem Thema, das zur jeweiligen Jahreszeit passen muss, da sich die Kollektionen stets an Frühjahr und Sommer oder Herbst und Winter orientieren.
Anschließend suche ich die passende Location aus, die für mich eine zentrale Rolle spielt. Das Location-Scouting macht daher einen großen Teil meiner Arbeit aus.
Was macht für Sie ein gelungenes Modefoto aus – sowohl aus kreativer als auch aus kommerzieller Sicht?

Es muss einen in den ersten Millisekunden fesseln – ganz gleich, aus welchem Bereich es stammt. In der Modefotografie hängt dabei vieles vom Model, seinem Ausdruck, der Stimmung, der Location und dem Licht ab.
Gleichzeitig muss die Kleidung optimal präsentiert und die Ästhetik vermittelt werden, für die die Marke steht. Trägt mein Foto schließlich auch zum kommerziellen Erfolg der Marke bei, ist für mich ein gelungenes Modefoto entstanden.
Was reizt Sie mehr: natürliches Licht oder aufwendige Licht-Setups?

Das hängt natürlich vom jeweiligen Thema ab. Früher habe ich eher aufwendige Licht-Setups bevorzugt, inzwischen arbeite ich jedoch immer minimalistischer. Große Setups sind mir oft zu unflexibel, außerdem gefällt mir dieser Look heute nicht mehr so gut.
Arbeiten Sie mit Moodboards oder versuchen Sie bewusst, sich davon freizumachen?
Oft sind es nur einige Beispielfotos sowie Notizen und Motivideen, die ich nicht vergessen möchte. Die meisten Ideen entstehen bei mir tatsächlich während des Location-Scoutings. Alles Weitere entscheide ich spontan beim Shooting.
Spielen Kamera und Objektive heute überhaupt noch eine große Rolle oder sind sie für Sie lediglich Werkzeuge?

Eine gute Kamera zeichnet sich für mich dadurch aus, dass sie beim Shooting zuverlässig funktioniert und ich sie während der Arbeit vollkommen vergessen kann. Da ich viel in Bewegung fotografiere, ist mir vor allem ein schneller und präziser Autofokus wichtig.
Ob die Kamera von Canon, Nikon oder Sony stammt, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Mein Arbeitstier ist die Sony Alpha 7 IV. Privat und gelegentlich auch professionell fotografiere ich mit der Fujifilm X100VI. Ihre Farben sind großartig – und in meiner Freizeit möchte ich möglichst auf aufwendiges Colorgrading verzichten.
Mit welchen Brennweiten arbeiten Sie am liebsten?

Professionell arbeite ich am liebsten mit einem 24–70-mm-Objektiv. Es bietet mir die größte Flexibilität und passt am besten zu meinem Look. Privat bevorzuge ich eine 35-mm-Festbrennweite beziehungsweise 23 mm an APS-C.
Dieser Bildwinkel ist weder zu weit noch zu nah und reicht mir im Alltag vollkommen aus.
Zum Schluss noch die Frage nach der Bildbearbeitung: Wie umfangreich fällt die bei Ihnen aus und wo ziehen Sie dabei die Grenze zwischen Optimierung und Veränderung?
Mittlerweile beschränke ich mich meist darauf, den Hintergrund zu „putzen“, kleinere Fehler zu beseitigen und einige Hautunreinheiten zu retuschieren. Im besten Fall war es das bereits. Der Umfang der Bildbearbeitung hängt jedoch immer von den Anforderungen der Kundinnen und Kunden ab und fällt daher von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich aus.

Florian Deventer wurde in München geboren. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter machte er sich 2004 selbstständig. Seit 2006 arbeitet er als Fotograf mit den Schwerpunkten Mode, Porträt und Editorialfotografie.

