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Ratgeber

Grafiktablett für Anfänger bis Profis: Wacom, HUION & weitere im Vergleich

Wer seine Bilder als Fotograf akkurat retuschieren möchte, benötigt über kurz oder lang ein Grafiktablett. Der Markt ist groß, es gibt zahlreiche Hersteller mit noch mehr Modellvarianten. Wir haben für Sie in unserem Grafiktablett Vergleich 6 beliebte Modelle in vier Klassen eingeordnet: Einsteiger, Mittelklasse, Oberklasse, Profi.

Falls Sie bereits ein Grafiktablett besitzen, werden Sie sich mit Sicherheit daran erinnern, wie Sie es das erste Mal ausprobiert haben. Wie Sie etwas unbeholfen erste Linien in Photoshop gezeichnet haben und sich vielleicht noch nicht ganz sicher waren, ob das jetzt wirklich ein Vorteil gegenüber der Maus darstellen sollte.

Allen, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, sei gesagt: Spätestens nach zwei Wochen werden Sie nicht mehr nachvollziehen können, wie Sie mit einer Maus in überschaubarer Zeit eine auch nur halbwegs vernünftige Retusche hinbekommen haben.

Denn: Ein Grafiktablett bietet zahlreiche Vorteile, mit denen man nach einer kurzen Einarbeitungszeit das Potenzial von Photoshop erst richtig nutzen kann.

Schnell, präzise, vielseitig

Zum einen ist selbstverständlich die Bedienung völlig anders als mit einer Maus. Sie halten Ihre Hand natürlich, brauchen nicht ständig eine Maustaste drücken und machen mit der Hand Bewegungen, die Sie spätestens seit Schulbeginn tief verinnerlicht haben.

Zum anderen bietet ein Grafiktablett aber auch zahlreiche technische Vorteile gegenüber einer Maus. Die Stifte sind drucksensitiv – aktueller Standard sind 8.192 Druckstufen – und ermöglichen so in Photoshop, je nach Druck, dicke oder dünne Striche – wie mit einem echten Stift.

Wer viel Hautretusche betreibt, wird dieses Feature lieben! Denn gerade beim „Dodge and Burn“, dem Bearbeiten kleiner Schatten und Lichter mit einem weichen Pinsel, können Sie so deutlich schneller retuschieren, ohne ständig die Pinselgröße ändern zu müssen.

Dazu lassen sich auch über die Stiftneigung – bis zu 60 Grad in jede Richtung – Funktionen nutzen, etwa das Hinzufügen von Schatten. Praktisch sind zudem die zwei Tasten am Stift, beispielsweise als Ersatz für die rechte Maustaste und zum Öffnen der Werkzeugübersicht von Photoshop, sowie die zahlreichen Hardund Softkeys am Tablet selbst.

Das alles benötigt etwas Übung. Vernünftig belegt ermöglicht das Tablet so aber ein extrem effizientes Arbeiten.

Breite Modellpalette

Die Vorteile eines Grafiktabletts liegen also auf der Hand. Aber welches Modell darf es denn sein? Der Markt bietet Angebote in allen Preisklassen und Größen. Da verliert man schnell den Überblick.

Dieser Artikel soll Ihnen deshalb eine Orientierung geben, die besten Optionen für Einsteiger, in der Mittel-, Ober- und Profiklasse vorstellen und Ihnen helfen, das für Sie am besten geeignete Modell zu finden.

Der vielleicht wichtigste Aspekt ist die Tablet-Größe. Das Grafiktablett muss zu Ihrer Arbeitsumgebung und zu Ihrem Arbeitsstil passen. Wer mit drei Bildschirmen nebeneinander arbeitet und das Tablet über die gesamte Breite nutzt, wird mit einem A5-Tablet nicht glücklich, umgekehrt ist ein 24-Zoll-Tablet an einem Notebook-Monitor auch nicht das Optimum.

Große Sensorflächen bedeuten zudem auch größere Bewegungen, was ebenfalls nicht jedermanns Sache ist. Ein weiterer recht neuer Aspekt ist die Frage: mit oder ohne Display? Display-Tabletts ermöglichen die Retusche direkt auf dem Bild, eine völlig andere Erfahrung als das indirekte Arbeiten über den Hauptmonitor.

Modelle mit Display sind zwar etwas teurer, dafür aber auch teils deutlich größer, wie unser Vergleich zeigt. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind natürlich die technischen Daten. Mittlerweile haben sich in diesem Bereich Standards etabliert, die vom 100-Euro-Tablet bis zur 2.000 Euro-Variante identisch sind.

60 Grad Neigungswinkel, 8.192 Druckstufen, 5.080 lpi Auflösung, batterieloser Stift (eine Ausnahme ist das X-Pen Artist 22E Pro im Kasten rechts), diverse Soft- und Hardkeys.

Unterschiede finden sich entsprechend eher im Detail, haben es aber in sich. So lassen sich höherklassige Modelle ohne Display meist kabellos bedienen. Wacom bietet zudem Texture-Overlays an, die auf das Tablet geklebt werden und je nach Geschmack ein unterschiedliches Zeichen- Gefühl vermitteln. Darüber hinaus gibt es bei Wacom eine Touch-Funktion, über die, wie beim Smartphone, beispielsweise das Bild mit zwei Fingern gedreht oder die Größe geändert werden kann.

Auch in der Software gibt es Unterschiede. So können bei Gaomon und Wacom die Tasten am Tablet für verschiedene Programme unterschiedlich belegt werden. Allerdings ist die Zahl der – meist unbeschrifteten – Tasten bei einigen Modellen so hoch, dass es schon bei Einfachbelegung schwerfällt, immer den Überblick zu behalten.

Individuelle Entscheidung

Bei allen technischen Werten ist es am Ende aber vor allem Ihr Gefühl beim Arbeiten mit dem Tablett, das den Ausschlag geben sollte. Mögen Sie lieber einen abgeflachten Rand wie bei Wacom oder eine Kante wie bei Huion? Welcher Stifttyp liegt besser in der Hand? Welche Oberfläche hat den optimalen Widerstand?

Deshalb gilt: Probieren Sie mehrere Tabletts aus – und genießen Sie diesen etwas konfusen Moment, wenn Sie das erste Mal den Stift in der Hand halten.

Grafiktablett für Anfänger

Huion Inspiroy H1161

Mit einem Straßenpreis von nur etwas über 80 Euro ist das Inspiroy H1161 das perfekte Einsteiger-Tablet. Die technischen Daten können sich sehen lassen und stehen den teureren Modellen in nichts nach. Stiftwinkel, Druckpunkte, Auflösung, alles auf hohem Standard. Auch die aktive Fläche von knapp einem DINA4- Blatt ist noch praxistauglich.

Abgeflachter Rand

Zu den technischen Highlights zählen neben den zehn seitlichen Tasten und den 16 Softkeys oben auch eine Slide-Bar, die in etwa die Funktion des Maus-Scrollrades übernimmt. Der nicht abgeflachte Rand kann beim Auflegen des Handballens stören, dafür gibt es, in diesem Preissegment lobenswert, einen Stifthalter. Unterm Strich ist das Inspiroy H1161 ein echter Preistipp für Sparfüchse.

Preisab 79 Euro
Informationwww.huion.com
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche279,4 x 174,6 mm
Bedienung 26 Tasten und Slide-Bar

Pro & Kontra 

+ Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis 
+ Slide-Bar und viele Softkeys 

- Recht kleine aktive Fläche 
- Nicht abgeflachter Rand 

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Mittelklasse Grafiktabletts

Huion Inspiroy WH1409 VS

Eine Klasse höher als das H1161 ist das Schwestermodell WH1409 V2 angesiedelt. Mit einer aktiven Fläche von 350 x 218 mm ermöglicht es ein präziseres Arbeiten, dank schicker Statusanzeigen unter Klavierlack sieht es zudem edel aus. Ansonsten ähneln die technischen Daten den weiteren Testkandidaten.

Ohne Kabelsalat

Die Statusanzeigen leuchten etwas schwach, die Batterieanzeigen leuchten nur, wenn geladen wird oder der Akku zur Neige geht. Eine Akkustands-Anzeige gibt es nicht, ebenso wenig die Softkeys und die Slide-Bar des H1161. Dafür arbeitet das WH1409 V2 kabellos, per USB-Dongle mit Wi-Fi. Der Akku lädt anfangs lange, muss dann aber sehr selten nachgeladen werden. Die zwölf Tasten lassen sich nicht für jede Software einzeln belegen.

Preisab 169 Euro
Informationwww.huion.com
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche350 x 218 mm
Bedienung 12 Tasten

Pro & Kontra 

+ Große Arbeitsfläche und günstiger Preis
+ Kabellos per Wi-Fi und lange Akkulaufzeit

- Bis auf Tasten keine Bedienelemente 
- Keine Akkustandsanzeige 

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Wacom Intuos Pro M

Wacom ist der Platzhirsch unter den Fotografen-Tablets. Nicht ohne Grund, denn trotz des simplen Aufbaus stecken in der Intuos Pro-Linie zahlreiche einzigartige Features, die das Arbeiten schnell und effektiv machen. Die M-Variante mit der kleinsten aktiven Fläche im Testfeld (224 x 148 mm) eignet sich für Fotografen, die ein kleineres Tablet bevorzugen.

Intuitive Steuerung

Neben sechs Tasten gibt es den Touch Ring, über den man die Größe des Bildes oder der Pinselspitzen anpassen kann. Außerdem verfügen die Intuos-Pro-Modelle über eine Touch-Funktion, mit der man, wie am Smartphone, Bilder drehen und anpassen kann. Lobenswert sind die Texture Overlays, mit denen sich das Zeichengefühl individuell anpassen lässt. Für eine kabellose Übertragung sorgt Bluetooth.

Preisab 312,25 Euro
Informationwww.wacom.com
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche224 x 148 mm
Bedienung 8 Tasten, Touch-Ring, Touch-Funktion

Pro & Kontra 

+ Touch-Funktion und Touchring 
+ Bluetooth und Texture Overlays 

- Hoher Preis
- Keine aktive Fläche

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Gaomon PD2200

Selbst gute Grafiktabletts fühlen sich immer etwas indirekt an. Man schaut auf den Monitor und zeichnet blind auf dem Schreibtisch. Display-Tablets lösen das Problem und ermöglichen die Retusche direkt auf dem Bild. Mit dem PD2200 zeigt Gaomon, dass der Einstieg in diese Welt nicht mehr kostet als das displaylose Profitablet Wacom Intuos Pro L.

Stabile Tablettposition

Die größte Stärke des Gaomon ist natürlich sein 1920 x 1080 21,5-Zoll Display. Die Farbwiedergabe von 92 Prozent NTSC ist gut, die matte Oberfläche ebenfalls. Die Softkeys auf der linken Seite sind bedruckt, was bei Umbelegungen für Irritationen sorgen kann, die dezentrale Position erschwert zudem Linkshändern das Arbeiten. Der Ständer ist sehr stabil und lässt sich mit einer Hand verstellen.

Preisab 459 Euro
Informationwww.gaomon.net
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche476,64 x 268,11 mm
Bedienung 8 Tasten und Display-Einstellungen

Pro & Kontra 

+ Full-HD-Display auf 21,5 Zoll 
+ Softkeys für jede Software anpassbar 

- Drei Kabel zur Verbindung nötig
- Softkeys vorbedruckt 

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Wacom Intuos Pro L

Schaut man einem Profifotografen bei der Retusche über die Schulter, entdeckt man in vielen Fällen das Wacom Intuos Pro L. Der Grund dafür ist simpel: Das Wacom ist top ausgestattet, sehr gut verarbeitet und bietet mit einer aktiven Fläche von 311 x 216 mm deutlich mehr Platz zum Zeichnen als das M-Modell.

Großes Tablet für Profis

Technisch gibt es keine Unterschiede zur M-Variante – und das ist gut so. Es gibt einen Touchring, 8 Tasten, Bluetooth, außerdem die praktisch Touch-Funktion sowie diverse beiliegende Texture-Overlays für eine unterschiedlich glatte Zeichenoberfläche. Die Kanten sind abgeflacht, wodurch der Handballen auch beim Zeichnen am Rand sehr angenehm aufliegt. Allerdings ist der Preis des großen Wacoms für ein Tablet ohne Display sehr hoch.

Preisab 459 Euro
Informationwww.wacom.com
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche311 x 216 mm
Bedienung 8 Tasten, Touch-Ring, Touch-Funktion

Pro & Kontra 

+ Touch-Funktion und Texture-Overlays
+ Sehr praxistaugliche aktive Fläche 

- Teuerstes Tablet ohne Display im Vergleich
- Kein Display

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XP-Pen Artist 22R Pro

Als vierter Hersteller in diesem Vergleich steuert XP-Pen sein Display-Tablet Artist 22R Pro bei. Die Bilddiagonale ist mit 21,5 Zoll genauso groß wie beim PD2200, die Auflösung ebenfalls, die Ausstattung aber deutlich besser.

Bildbearbeitung auf einem Display

So gibt es rechts und links neben jeweils zehn Tasten auch je ein Red-Dial-Rad, über das sich weitere Einstellungen vornehmen lassen. Im Vergleich zum deutlich günstigeren 22E kommt der Stift ohne Batterie aus und der Abstand zwischen aufgesetzter Stiftspitze und Display ist geringer, wodurch man präziser arbeiten kann. Im Idealfall kommt das 22R Pro mit nur einem USB-C-Kabel aus, ältere PCs lassen sich auch per HDMI oder sogar VGA verbinden. Unterm Strich bietet allerdings das 22E fast die gleiche Performance für weniger Geld.

Preisab 599 Euro
Informationwww.xp-pen.de
Druckstufen8.192
Auflösung5.080 lpi
Aktive Fläche476,064 x 267,786 mm
Bedienung 20 Tasten und 2 Red Dials

Pro & Kontra 

+ Lässt sich mit nur einem Kabel betreiben 
+ Zehn Tasten und zwei Red Dials 

- Preis im Vergleich zum 22E zu hoch
- Auflösung dürfte noch etwas höher sein

Zum XP-Pen Artist 22R Pro auf Amazon

Es ist nicht das richtige Tablett für Sie dabei? Hier sind zwei Alternativen!

Gaomon M106K

Pro Eine günstige Alternative in der Einsteigerklasse findet sich mit dem Gaomon M106K Pro. Die Zeichenfläche fällt etwas kleiner aus als beim Huion H1161, zudem fehlt dessen elegante Slide-Bar. Dafür gibt es 12 Hard- und 16 Soft-Keys. Alle weiteren Spezifikationen sind vergleichbar mit der Konkurrenz und machen das kleine Gaomon zu einer spannenden, günstigen Alternative.

X-Pen Artist 22E Pro

Das 22E Pro ist die günstigere Variante des X-Pen 22R Pro. Die Unterschiede liegen im Stift, der im Gegensatz zum 22R aufgeladen werden muss, außerdem ist das Display weniger flach. Dadurch fällt die Parallaxe – der Abstand zwischen dem Punkt, an dem der Stift ansetzt und der Anzeige des Stiftpunkts – größer aus, was eine akkurate Kalibrierung erschweren kann.

Fazit

Der große Grafiktablett-Markt hält für alle Bedürfnisse das passende Modell bereit, wie unser Vergleich zeigt. Erstaunlich ist, dass sich die technischen Spezifikationen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell bis auf die Größe nicht unterscheiden.

Trotzdem lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen. Gerade Zusatzfeatures, wie Softkey, andere Bedienelemente, eine kabellose Verbindung oder natürlich auch ein Display, erleichtern das Arbeiten teils erheblich und sind eine höhere Investition wert. Die Empfehlung an Sie lautet deshalb vor allem: einfach mal ausprobieren.

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