Ratgeber

Diese Filter brauchen Landschaftsfotografen

Viele optische Filtereffekte lassen sich heute in einer Bildbearbeitungssoftware nachahmen. Doch gerade bei Landschaftsfotos zahlt sich ihr Einsatz direkt beim Fotografieren aus. Wir erklären Ihnen die Vorteile.

Wozu werden Filter in der Fotografie benötigt?

In den Zeiten der analogen Fotografie waren optische Filter wichtige Hilfsmittel, mit denen Farbstiche und hohe Kontraste ausgeglichen oder spezielle Effekte erzielt wurden. Moderne Digitalkameras bieten inzwischen zahlreiche Einstellungen, mit denen die Wirkung dieser Objektivfilter nachgestellt werden kann – ganz zu schweigen von unzähligen Möglichkeiten in der Bildnachbearbeitung mit Softwares wie zum Beispiel Adobe Photoshop oder Affinity Photo.

Filter in der Landschaftsfotografie 

Doch nicht in allen Situationen lässt sich ein optischer Filter durch digitale Hilfsmittel ersetzen. Vor allem in der Landschaftsfotografie sind Polfilter, Graufilter und Grauverlaufsfilter für einige Bildeffekte unerlässliche Werkzeuge, deren Wirkungsweise nur schwer oder überhaupt nicht in einer Bildbearbeitungssoftware erzeugt werden kann. Außerdem erspart der Einsatz eines Filters eine Menge Zeit in der digitalen Nachbearbeitung. Natürlich sind auf dem Markt viele weitere Filtertypen erhältlich – von Farbfiltern bis hin zu Infrarotfiltern. Diese Filter sind allerdings nur für spezielle Zwecke vonnöten. Auf einen UV-Filter können Sie dank hochvergüteter Objektive in der Regel ebenfalls verzichten. Polfilter, Graufilter und Grauverlaufsfilter gehören aber zur Grundausrüstung eines jeden ambitionierten Landschaftsfotografen.

Langzeitbelichtung mit dem Graufilter (ND-Filter)

Ein Graufilter ermöglicht selbst bei hellem Tageslicht den Einsatz von weit geöffneten Blenden wie f/1,8 – oder alternativ von sehr langen Belichtungszeiten. Sie bestehen aus getöntem Glas oder Kunststoff und reduzieren die einfallende Lichtmenge. Sie sind in festen oder variablen Stärken erhältlich, die in „ND-Stufen“ angegeben werden. Ein 0,9-ND-Filter reduziert die ins Objektiv einfallende Lichtmenge um drei Blendenstufen.

Mit einem Grau- oder Neutraldichtefilter lassen sich an sonnigen Tagen größere Blenden oder längere Belichtungszeiten als gewöhnlich nutzen, um das Hauptmotiv aus der Umgebung zu isolieren oder um eine schöne Bewegungsunschärfe zu erzeugen. Starke ND-Filter mit einer Dichte von sechs, zehn oder 15 Blendenstufen verlängern dabei die Belichtungszeit bis auf mehrere Minuten. So lassen sich aufgepeitschte Wellen oder stürmische Wolkenformationen am Himmel mühelos in einen weichen, milchigen Schleier verwandeln.

Für Belichtungszeiten über 30 Sekunden wechseln Sie in den Bulb-Modus der Kamera, in dem Sie die Belichtung manuell starten und stoppen können. Je nach Kameramodell finden Sie die Einstellung als B-Modus am Moduswahlrad oder im manuellen Belichtungsmodus als längste Zeit. Um den Bulb-Modus zu nutzen, benötigen Sie ein Stativ (Hier liefern wir Ihnen einen kompakten Stativ-Überblick auf gänige Modelle 2019) und einen verriegelbaren Fernauslöser, mit dem die Belichtung gesteuert wird. Bei Modellen mit WLAN lassen sich dafür auch kostenfreie Apps wie zum Beispiel „Camera Connect“ von Canon nutzen. Einige Modelle verfügen sogar über einen integrierten Timer, mit dem Sie die exakte Länge der Belichtung in der Kamera einstellen können. Diese lässt sich am einfachsten über eine kostenlose App, wie zum Beispiel LEE Filters, berechnen. Geben Sie dazu die Belichtungszeit und die Stärke des Filters ein und die App ermittelt die neue Zeit.

Helligkeitsunterschiede ausgleichen mit dem Grauverlaufsfilter (GND-Filter)

Grauverlaufsfilter bestehen aus einem getönten und einem klaren Teil. Durch die Tönung lassen sich Helligkeitsunterschiede bei Motiven mit hohen Kontrasten angleichen. Sie werden vor allem bei Außenaufnahmen eingesetzt – insbesondere bei Landschaften, um einen hellen Himmel abzudunkeln.

Einige Motive sind geprägt durch extreme Helligkeitsunterschiede zwischen Himmel und Landschaft, die es unmöglich machen, alle Details mit einer Belichtung abzubilden. Wenn Sie bei dieser Art von Aufnahmen einen Blick auf das Histogramm werfen, werden Sie feststellen, dass der Graph auf beiden Seiten abgeschnitten ist. Dies bedeutet, dass der Dynamikumfang des Motivs (der Verlauf des Graphen) größer ist als der Dynamikumfang, den Ihre Kamera aufzeichnen kann (die Länge der horizontalen Achse des Histogramms). Einen Lösungsansatz bieten Aufnahmen im RAW-Format, die einen größeren Dynamikumfang festhalten können als JPEGs.

Das RAW-Format ermöglicht es, in der Nachbearbeitung Details in den Schatten und den Lichtern wiederherzustellen. Allerdings neigen nachträglich aufgehellte Schattenbereiche zu übermäßigem Bildrauschen, während wiederhergestellte Details in den Lichtern oft künstlich wirken. Die Methode eignet sich deshalb nicht für alle Motive. Der klassische Weg ist der Einsatz eines Grauverlaufsfilters. Mit diesen Filtern dunkeln Sie den hellen Himmel bereits beim Fotografieren ab. So können Sie auf die Landschaft belichten, ohne eine Überbelichtung des Himmels zu riskieren. Im Grunde reduzieren Sie durch den Grauverlaufsfilter den Dynamik umfang des Motivs, damit dieser von der Kamera besser eingefangen werden kann. Grauverlaufsfilter sparen Zeit und sind die beste Möglichkeit, ausgeglichene Belichtungen direkt bei der Aufnahme zu erzielen. Der gleiche Effekt lässt sich jedoch auch digital erzeugen, indem Sie unterschiedliche Belichtungen für den Himmel und die Landschaft in einer Software kombinieren – was in manchen Punkten sogar Vorteile durch Flexibilität haben kann. So vermeiden Sie Farbstiche, die beim Einsatz von Filtern auftreten können, und sind zudem nicht auf einen geraden Horizont angewiesen, den Verlaufsfilter erfordern.

Mehr Intensität dank des Polfilters

Diese Filterart hilft dabei, das Blau des Himmels zu betonen und Reflexionen auf spiegelnden Oberflächen, wie Wasser oder Glas, zu minimieren. In der Regel wird so die einfallende Lichtmenge ebenfalls geringfügig reduziert, was bei wenig Licht und Aufnahmen aus der Hand zu unscharfen Fotos durch lange Verschlusszeiten führen kann.

Der Polfilter sollte in keiner Fotoausrüstung eines Landschaftsfotografen fehlen. Allerdings kann die Anschaffung dieses Filtertyps etwas kostspielig sein – vor allem, wenn Sie Objektive mit einem Filtergewinde von 72 Millimetern oder größer nutzen. Der Grund liegt unter anderem im Aufbau. Polfilter bestehen aus zwei Glaselementen, wobei das vordere frei gedreht werden kann, um die Stärke der Polarisation zu regeln. Achten Sie immer darauf, den Filter beim Einstellen nicht vom Objektiv zu lösen. Der Effekt ist am ausgeprägtesten, wenn Sie im 90-Grad-Winkel zur Sonne fotografieren.

Die Richtung finden Sie, indem Sie mit dem Zeigefinger auf die Sonne deuten und den Daumen im rechten Winkel nach links oder rechts abspreizen. Blicken Sie durch den Sucher, während Sie den Filter drehen, oder beobachten Sie das Bild im Live-View, um zu sehen, wie sich der Effekt ändert. Stoppen Sie die Einstellung, sobald das Ergebnis am besten wirkt. Polfilter betonen aber nicht nur das Blau des Himmels, sondern reduzieren auch Reflexionen auf Wasseroberflächen oder einem Glas. Aufnahmen von Landschaften oder Städten wirken dadurch oft besser. Allerdings sollten Sie beim Einsatz an Weitwinkelobjektiven vorsichtig sein, da die Polarisation richtungsabhängig ist. Dies kann dazu führen, dass bei großen Bildwinkeln ein Teil des Himmels dunkler abgebildet wird als der andere.

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