Test

Leica M (Typ 262): Messsucher-Kamera für Puristen

Als M-Kamera in ihrer reinsten Form wird die M (Typ 262) von Leica vorgestellt. Konzentriert auf die wesentlichen Funktionen und eine intuitive Bedienung sei sie die Essenz der M-Fotografie. Die perfekte Kamera, um die pure Faszination M zu erleben. Ob die M (Typ 262) die hohen Erwartungen erfüllen kann? Wir haben die digitale Messsucherkamera getestet, die trotz ihres stattlichen Preises jeglichen Schnickschnack ablehnt.

Fotografieren wie anno 1950, die Leica M (Typ 262) macht’s möglich. Denn im Vergleich zu modernen Spiegelreflex- oder Systemkameras verzichtet die Puristin auf praktisch jeglichen Ausstattungsluxus. Autofokus? Fehlanzeige! LiveView-Ansicht? Hat sie nicht! Videomodus? Schnickschnack! Der Preis indes ist Leica-typisch luxuriös: 5.500 Euro werden für den Body fällig. Hinzu kommen weitere Ausgaben für die kostspieligen Leica-M-Objektive, wie das Summilux Summicron-M 1:2/35mm ASPH., das für rund 2.000 Euro über die Ladentheke geht. Macht 7.500 Euro für eine Kamera, die sich tatsächlich auf das Wesentliche konzentriert: die Fotografie. Und genau hier weiß die M (Typ 262) zu begeistern – zumindest auf den zweiten Blick.

Klassische Messsucherkamera

Auf den Ersten erscheint die reduzierte M wie aus der Zeit gefallen. Statt in gewohnter Manier beliebige Motive via Autofokus blitzschnell zu erfassen und auf die Speicherkarte zu bannen, zwingt einen die Leica zu einer Entschleunigung. Dies fängt beim Blick durch den klaren Messsucher an, der einen Bildwinkel ab 28mm abdeckt. Nun wird das Lichtbild komponiert und manuell scharf gestellt. Dafür steht einem der Schnittbildindikator zur Seite. Behutsam versucht man, die zwei Bilder im Sucher mit Hilfe des Fokusrings des Objektivs so gut es geht zu überlagern. Dies erfordert Fingerspitzengefühl, Übung – und Zeit. Zu Beginn benötigen wir einige Sekunden, um das Motiv, in diesem Fall unser Testchart, scharf abzulichten. Moderne Hilfsmittel wie eine LiveView-Ansicht würden natürlich helfen, doch wie bereits erwähnt, bietet die Leica M (Typ 262) zwar einen Monitor, doch dieser dient nur zur Anzeige des schlichten, aber benutzerfreundlich aufgebauten Menüs. Mit zunehmender Erfahrung und durch den Einsatz der Entfernungsskala des Objektivs beschleunigt sich die anfängliche langsame Fokusgeschwindigkeit jedoch, so dass wir beim Shooting in der Stadt typische Streetaufnahmen (meist) scharf ablichten. Einige leicht defokussierte Fotos nehmen wir in Kauf. Mitunter können diese sogar ihren ganz eigenen Charme innehaben, wie sich bei unserer Durchsicht zeigt.

Bei der Fototour spürt man die Wertigkeit der handschmeichelnden Kamera. Das Metallgehäuse und die Deckklappe aus Aluminium stehen für Langlebigkeit. Ganz im Sinne der Philosophie des Traditionsunternehmens aus Wetzlar: Man kauft eine Leica nicht für eine Generation, sondern gibt sie an die nächste weiter.

Im Gegensatz zur rudimentären Ausstattung steht die hohe Bildqualität. Die M (Typ 262) lichtet knackig scharfe und detailreiche Bilder ab. Kontrastumfang und Farbwiedergabe stimmen. Dafür sorgt der CMOS-Sensor in Vollformatabmessungen (36x24mm) mit seinen 24 Megapixeln. Einschränkungen gibt es indes beim ISO-Bereich. Dieser erstreckt sich von ISO 100 bis ISO 6400. Wobei sich bereits ab ISO 1600 erstes Rauschen zeigt. Folglich sollten Sie vorzugsweise die niedrigen ISO-Bereiche und ein lichtstarkes Objektiv bevorzugen. 

Lesetipp

Leica M-D; – Die neue digitale Leica Messsucherkamera ohne Display

Die Gerüchte aus dem März haben sich bestätigt: Leica stellt das fünfte Modell innerhalb des Leica Messsuchersystems vor. Das Besondere der... mehr

Fazit

Die Leica M (Typ 262) gehört zu den Kameras, die polarisieren. Entweder man hasst oder liebt sie. Kritiker werden ihr die mangelhafte Ausstattung und die träge Serienbildgeschwindigkeit von nur 3 B/s ankreiden, Fürsprecher hingegen das klassische Messsucherprinzip, die sehr klaren Aufnahmen und die hohe Bildqualität loben. Ob man jedoch bereit ist, für diesen Purismus 5.500 Euro auf die Ladentheke zu legen, bleibt am Ende jedem selbst überlassen. Ausstattungsstärkere – und günstigere – Alternativen gibt es in Hülle und Fülle.

Bewertung
Name
Leica Leica M (Typ 262)
Pro
  • Ausgezeichnete Schärfe auch bei hoher ISO-Stufe inklusive hoher Kantenschärfe
  • Sehr klare Aufnahmen 
  • Hochwertige Verarbeitung und langlebiges Metallgehäuse – made in Germany
Contra
  • Maximal 3 Bilder pro Sekunde
  • Sehr magere Ausstattung ohne Extras
  • Kein Video, kein LiveView
Preis
5.500 EUR
Bewertung
(65%)
Mehr zum Thema
zur Startseite