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Unbedingt 4K? 6 Monitore für Bildbearbeiter

Die Ultra-HD-Welle ist in vollem Gange: Immer mehr Monitor-Hersteller schwenken auf die neue, hochauflösende Technik um. Doch 4K- und 5K-Monitore sind längst nicht für jeden Photoshopper geeignet. Gegebenenfalls lohnt es sich, noch einmal zur Standardauflösung zu greifen. Wir klären auf, auf was Sie beim Kauf eines neuen Monitors achten sollten und welches Produkt zu Ihnen passt.

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Angefangen hat es vor neun Jahren: Apple stellte das iPhone 4 vor, das mit einem hochauflösenden Display glänzte. Das verdoppelte effektiv die Pixel in der Horizontalen und in der Vertikalen, weshalb hier vier Pixel saßen, wo vorher einer war. Apple nannte die Technik vollmundig Retina, weil die Einzelpixel bei normalem Betrachtungsabstand nicht mehr von der Netzhaut aufgelöst werden können: Die Pixeldichte des Monitors ist bei typischem Betrachtungsabstand höher als die der Sehzellen im Auge. Und tatsächlich brachte die Technik auf Smartphones und Tabletts eine signifikante Verbesserung der Bildqualität, allerdings zum Preis von Rechenzeit und Akkulaufzeit. Alle anderen Mobilgeräte-Hersteller von Samsung über LG bis Huawei zogen nach.

Was bedeuten Ultra HD, 4K & 5K?

Seit einiger Zeit gibt es die Technik auch für PCs, Macs und Notebooks: Apple verkauft mit dem Macbook Pro und dem iMac inzwischen fast ausschließlich Geräte mit der Pixel-Vervierfachung. Gleichzeitig strömen von den großen Monitor-Herstellern immer mehr Geräte mit der Bezeichnung Ultra HD (UHD), 4K oder 5K auf den Markt. Gemeint ist im Grunde immer das Gleiche:

Ein klassischer Pixel wird durch vier Pixel ersetzt, weil die horizontale und vertikale Auflösung jeweils verdoppelt wird.

Statt Full HD mit 1920 x 1080 Pixeln bedeutet Ultra HD/4K eben 3840 x 2160 Pixel – also exakt viermal so viele Pixel und rund 4.000 („4K“) in der Horizontalen. 5K ist im Grunde das Gleiche, hier wird nur eine andere Ausgangsauflösung vervierfacht, nämlich 2560 x 1440 zu 5120 x 2880 und damit rund 5.000 Pixeln („5K“) in der Horizontalen. Im Grunde ganz einfach.

Bezeichnend ist allerdings, dass Apple beim Macbook, iPad und iPhone noch von Retina spricht, beim iMac jedoch nicht mehr. Der einfache Grund: Schon der alte, niedrig auflösende iMac besitzt – wie übrigens jeder Monitor, der bei 27-Zoll-Diagonale 2560 x 1440 oder mehr Pixel liefert – ab 81 Zentimetern Abstand Retina-Eigenschaften, wie Ihnen die Website www.isthisretina.com verrät. Sprich: Das Auge kann die einzelnen Pixel nicht mehr auflösen. Möglich wird das durch den Betrachtungsabstand: Während Smartphone-, Tablet- und Notebook-Displays üblicherweise nur wenige Zentimeter vom Auge entfernt sind, ist das bei Desktop-Monitoren anders. Der typische Betrachtungsabstand von rund 60 Zentimetern sorgt automatisch dafür, dass Einzelpixel nicht mehr erkennbar sind. Und so sind hochauflösende Displays am Notebook oder Mobilgerät durchaus sinnvoll, am Desktop jedoch ein möglicherweise verzichtbares technisches Detail. Zumindest, wenn Sie nicht mit 150 Prozent Sehkraft gesegnet sind.

Ultra HD und klassische Monitore

Allerdings hat Ultra HD/4K/5K gegenüber der alten Technik einen großen Vorteil: Auch wenn die Pixel so oder so beim normalen Betrachtungsabstand nicht erkennbar sind, so werden doch vor allen Dingen sehr kleine Elemente deutlich schärfer dargestellt. Gerade bei Text – sowohl beim reinen Schreiben als auch bei der Erstellung von Photoshop-Projekten – ist selbst für das ungeschulte Auge ein deutlicher Unterschied zu erkennen. Das ist nur logisch: Stellt man sich die Pixel zueinander als Stufen vor, werden diese durch die höhere Auflösung kleiner. Feine Details werden dadurch schärfer. Gerade Photoshopper, die viel mit feinen Details arbeiten, können davon profitieren.

Allerdings haben auch die klassischen niedrig auflösenden Monitore ihre Vorteile. Der wichtigste: Sie arbeiten mit wirklich jedem aktuellen PC zusammen. Das Problem bei Ultra HD/4K/5K ist nämlich, dass die Pixel-Vervierfachung auch eine entsprechend leistungsstarke Grafikkarte voraussetzt. Schließlich müssen viermal so viele Pixel berechnet werden, und das bei einer Bildwiederholrate von typischerweise 60 Hertz bei modernen LCD-Monitoren. Die Grafikkarte muss also 60 mal pro Sekunde ein Bild erstellen, das bei einem normalen 4K-Monitor rund acht Megapixel hat – ein Problem für manch älteren oder schwächeren Computer, etwa Notebooks. Während die meisten aktuellen PCs und Notebooks das bei einem Monitor noch schaffen, wird es spätestens bei Dual-Monitor-Set-ups problematisch: Hier sind oft nur modernste Rechner in der Lage, zwei oder mehr Ultra-HD-Monitore gleichzeitig anzusprechen. Der Umstieg auf 4K/5K-Technologie zieht also neben dem oft deutlich höheren Preis für den Monitor an sich gegebenenfalls die Folgekosten einer Neuanschaffung der Computer-Hardware nach sich – sei es in Form einer neuen Grafikkarte oder, bei Notebooks, eines komplett neuen Rechners. Und das für einen Unterschied, den Sie dann doch nicht unbedingt sehen können.

4K oder Standardauflösung?

Unterm Strich steht es Ihnen natürlich frei, auf welches Monitorsystem Sie setzen. Die Zukunft wird natürlich den 4K/5K-Bildschirmen gehören: Schon jetzt sind neue Modelle im hochpreisigeren Segment eher mit dieser Auflösung ausgestattet. Die höhere Bildschärfe, die auf den ersten Blick als deutliches Argument für hochauflösende Monitore zu werten ist, relativiert sich mit der Zunahme des Betrachtungsabstands: Für das menschliche Auge bietet die 4K/5K-Auflösung am Desktop – anders als an Notebooks, Tablets und Smartphones – keinen all zu großen Vorteil. Wenn Sie bislang keine Schärfe-Probleme mit Ihrem Monitor mit klassischer Auflösung hatten, ist Ultra HD eher eine Marketing- Spielerei denn ein echter Mehrwert.

In der Praxis wichtiger sind andere Faktoren, darunter ein breiter Adobe-RGB-Farbraum und eine zuverlässige Kalibrierbarkeit, also eine wertige Hardware samt Bildschirmbeleuchtung, die sich relativ klar anhand des Preises definieren lässt: je teurer der Monitor, desto besser sind die in ihm verbauten Komponenten. Zusätzliche Details wie USB-Anschlüsse, etwa um den Bildschirm als Docking-Station zu verwenden, oder ein entspiegeltes Panel sind Faktoren, die im Alltag eher eine Rolle spielen. Zumal sich mit dem Kauf eines klassisch auflösenden Monitors auch finanziell Vorteile ergeben: Ultra-HD-Modelle sind derzeit in aller Regel rund doppelt so teuer wie vergleichbare Standardmodelle. Statt eines 4K-Monitors können Sie so auch zwei reguläre Bildschirme anschaffen, die Ihr PC oder Mac auch auf jeden Fall ohne Weiteres ansteuern kann – und das trägt im Photoshop-Alltag möglicherweise mehr zur Produktivität bei als eine höhere Auflösung.

Worauf Sie beim Kauf eines neuen Monitors unbedingt achten sollten

Auch wenn die Marketing-Abteilungen der Monitor-Hersteller und so mancher User Ultra HD als absolut zwingend sehen, spielen im täglichen Umgang mit einem Monitor andere Faktoren eine Rolle. Etwa die Auflösung pro Bildschirmfläche: Je mehr Pixel pro Zoll (PPI) dargestellt werden, desto „kleiner“ ist die Darstellung. Ein gutes Beispiel sind Dells Schwestermodelle U2515H und U2715H: Die Monitore mit 25 respektive 27 Zoll sind weitestgehend identisch, die zwei Zoll Unterschied in der Bilddiagonale ändern jedoch den PPI-Wert massiv: 117,5 PPI beim 25-Zoll-Modell stehen hier gegen knapp 109 PPI beim 27-Zoll-Bildschirm. Die einzelnen Pixel werden größer oder kleiner und damit auch die Bedienelemente, was ergonomisch problematisch sein kann. Bei Ultra-HD-Monitoren müssen Sie zum Vergleich der Darstellungsgröße die geviertelte Auflösung heranziehen, also bei 3840 x 2160 Pixeln Auflösung 1.920 x 1.080 Pixel.

Auch der Formfaktor des Bildschirms an sich ist wichtig: Es gibt die klassischen Formate 16:9 und 16:10, seit einigen Jahren aber auch extrem breite Bildschirme im 21:9-Format mit Sonderauflösungen, etwa LGs 38UC99W, der eine 4K-Auflösung von 3.840 x 1.600 Pixeln auf 38 Zoll auflöst. Oft übersehen wird die Qualität des Panels, der Farbraum und die Alltagstauglichkeit: Preiswerten Monitoren fehlt oft die Fähigkeit, den gesamten Adobe-RGB-Farbraum wiederzugeben. Der ist jedoch für eine präzise Bildbearbeitung unverzichtbar. Die Qualität des Panels, vor allem in Sachen Ausleuchtung, spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Kalibrierung. Beim Testen hilft Eizos Online-Monitortest, der unter www.eizo.de zur Verfügung steht. Gerne vergessen werden auch simple Faktoren der Alltagstauglichkeit wie USB-Anschlüsse oder eine hohe Varianz an Eingängen wie Display-Port oder HDMI.

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