Ratgeber

Tipps für scharfe Lowlight-Tieraufnahmen

Sie möchten wissen, wie man tolle Fotos trotz Lowlight, wie beispielsweise zur speziellen Zeit der Dämmerung, machen kann? Der junge, begeisterte Naturfotograf Kevin Winterhoff erklärt Ihnen im folgenden Artikel, wie Sie mit den richtigen Mitteln auch bei schlechten Lichtverhältnissen beeindruckende und scharfe Bilder von Tieren in der freien Wildbahn aufnehmen.

Welcher Fotograf kennt diesen Moment nicht: Man sieht ein schönes Motiv am dämmrigen Abendhimmel, möchte es festhalten, stellt jedoch schon während der Aufnahme fest, dass das träge Auslösegeräusch der Kamera nichts Gutes verheißen lässt: Die Belichtungszeit ist für Fotos aus der Hand zu lang. Fällt wenig Licht auf den Sensor einer Kamera, benötigt sie eine lange Verschlusszeit, um ein Bild festhalten zu können. In der Regel führt dies zu unscharfen Aufnahmen, die das Fotografenherz nur in seltenen Fällen höherschlagen lassen. Was man tun muss, um auch bei Nacht beziehungsweise schlechten Lichtverhältnissen beeindruckende Wildlife-Aufnahmen zu erzielen, berichtet Naturfotograf Kevin Winterhoff aus seinen praktischen Erfahrungen bei der Eulenfotografie:

„Es ist immer wieder ein schrecklich schönes Schaudern, das mich überfällt, wenn ich den rückschallenden Ruf der Uhus von der Felswand höre. Ich sitze in der Dämmerung, die nach und nach in die Dunkelheit übergeht und warte gespannt darauf, dass eines der Tiere mit seinem Beuteflug beginnt. Während der Mond am dunkelblauen Nachthimmel aufgeht, höre ich immer wieder den weit entfernten Ruf des Männchens. Ein dumpfes und abfallendes ‚UUUhhhouu‘ durchdringt das Tal. Nicht laut, eher stumpf, aber man hört es bis zu vier Kilometer weit. Und dann plötzlich landet das Uhu-Weibchen vor mir, nicht weit entfernt. Ich visiere es an und drücke auf den Auslöser. Der entscheidende Augenblick ist vorüber, die Fotos sind im Kasten und es bleibt nur noch zu hoffen, dass eines der Bilder auch scharf geworden ist.“

Die passende Ausrüstung für Lowlight-Fotos

Es kann einige Zeit dauern, bis man als Fotograf das perfekte Equipment – abgestimmt auf die entsprechenden Bedürfnisse – zusammengestellt hat. Als Basis für fotografische Erfolge bei Lowlight empfiehlt es sich auf jeden Fall, im Besitz eines stabilen Stativs zu sein. Auch wenn das Fotografieren aus der Hand oftmals mehr kreativen Freiraum und eine schnellere Reaktionszeit mit sich bringt, ist das Verwenden eines Stativs für Aufnahmen bei wenig Licht nahezu unumgänglich.

„Viele Fotografen sparen an ihrem Dreibein, obwohl sie Tausende von Euros für ihre Kamera ausgegeben haben“, so Kevin Winterhoff. „Als Faustformel kann man sich jedoch die 1/10-Regel merken, nach welcher man mindestens 1/10 des Equipmentwerts in das Stativ investieren sollte.“

Beim Kauf eines Stativs für die Naturfotografie sind vor allem die Tragfähigkeit und der Beindurchmesser zu beachten. Mindestens genauso wichtig ist ein guter Stativkopf. Kevin Winterhoff nutzt für seine Naturfotos stabile Videoneiger, die über 2,5 Kilogramm wiegen. Zwar ist das Arbeiten mit diesen nicht immer angenehm, jedoch absolut verwacklungssicher. Bei großen Teleobjektiven sollte zudem darauf geachtet werden, dass der Objektivfuß, welcher Stativ und Objektiv verbindet, stabil genug ist. Für viele Objektive gibt es sogenannte Ersatzfüße, die eine Schwalbenschwanz-Fräsung integriert haben und so direkt auf dem Kopf befestigt werden können. Neben dem richtigen Equipment kommt es beim Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch natürlich auch auf die richtigen Kameraeinstellungen an. Eine möglichst geöffnete Blende und ein hoher ISO-Wert helfen dabei, die Verschlusszeit in die Höhe zu treiben – ideal ist eine Blende von f/2,8. Als ISO-Wert bietet sich ISO 1600 an. Auch ein ruhiger Puls, Entspannung und das daraus resultierende Stillhalten der Kamera sind wichtig für das Gelingen von scharfen Fotos bei Lowlight. Legen Sie Ihren Arm bei Teleobjektiven auf dem Objektiv ab – dies ist nicht nur bequem, sondern beschwert das Objektiv auch mit Gewicht. Drücken Sie den Auslöser am besten nach dem Ausatmen. Genießen Sie ganz einfach die Zeit und die Ruhe in der Natur – Ihre Bilder werden es den Betrachter sehen lassen!

Tipps fürs Equipment

Neben seinem fotografischen Gespür verhalf Kevin Winterhoff auch diese Ausrüstung zu der gelungenen Aufnahme des Uhus:

1 Nikon D300

2 Gitzo Carbon Stativ

 

 

 

 

 

3 Sachtler DV 6 Stativkopf (ohne Abb.)

4 Bohnensack (ohne Abb.)

Lesetipp

Outdoor Fotografie, Ausgabe 1/2016 – Jetzt erhältlich

„Outdoor Fotografie“ ist DAS Magazin für alle Foto-Enthusiasten, die gerne Zeit in der Natur verbringen. Auf 180 Seiten erfahren Sie alles... mehr

Mehr zum Thema
zur Startseite