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8 Reisezooms von 18 bis 400mm im Vergleich

Alle Brennweiten immer dabei, geringes Gewicht, hohe Flexibilität, niedriger Preis. Dank dieser Aspekte erfreuen sich Reisezooms großer Beliebtheit. Doch lohnt sich der Kauf? Wir haben acht Reisezooms für APS-C, MFT und Vollformat für Sie verglichen und beleuchten die Vor- und Nachteile der Klasse.

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Wir haben acht Reisezooms mit möglichst großem Brennweitenbereich verglichen. Die Brennweitenangaben in den Texten haben wir auf das jeweilige Sensorformat (Crop-Faktor - siehe Kasten ganz unten) umgerechnet. Der größte Spagat gelingt dem Tamron 18-400mm mit einem Zoomfaktor von 22,2. Dementsprechend lang und schwer fällt das voll ausgefahrene Objektiv aus, wie Sie weiter unten sehen. Kompakt und leicht ist das Olympus 14-150mm. In unserer Galerie (s. oben) finden Sie je Objektiv eine Aufnahmen der minimal effektiven Brennweite sowie der maximal effektiven Brennweite, alternativ bieten wir Ihnen hier einen Überblick:

SeitenBrennweitenvergleich (Hersteller)
2-3Canon
4-5Fujifilm
6-7Nikon
8-9Olympus
10-11Panasonic
12-13Sigma
14-15Sony
16-17Tamron

Mit dem Reisezoom im Urlaub

Wer im Urlaub fotografiert, möchte natürlich die möglichst besten Bilder aufnehmen. Von der Familie, den wunderbaren Landschaften, dem leckeren Essen oder den vielen Sehenswürdigkeiten. Doch der Platz im Reisegepäck ist begrenzt, insbesondere, wenn Sie mit dem Flugzeug unterwegs sind und Ihr Kameraequipment im Handgepäck verstaut wird. Und doch wollen Sie natürlich auf nichts verzichten und flexibel aufgestellt sein. Zumindest die Lösung aller Objektivprobleme könnte der Kauf eines Reisezooms (o. Superzooms) sein. Statt drei, vier oder mehr Objektive im Rucksack zu verstauen (und mit sich herumzuschleppen), schrauben Sie einfach das Reiseobjektiv auf Ihre Kamera und legen los. So haben Sie vom Weitwinkel bis hin zum Supertele alle Brennweiten dabei, um jedes Motiv einzufangen. Zack, fertig? Leider nein. Denn auch wenn es vier gute Gründe für den Kauf eines Reisezooms gibt (s. Kasten weiter unten), spricht ein entscheidender Grund dagegen: die Bildqualität.

Technischer Kompromiss eines Reisezoom-Objektivs

Bei der Entwicklung eines Superzooms mit extremen Brennweitenspannen, wie etwa dem Tamron 18-400mm, gilt es, mehrere Herausforderungen zu meistern. Allen voran die Lichtstärke. Diese nimmt bei allen von uns getesteten Modellen ab. Sie beginnt bei f/3,5 im Weitwinkel und liegt bei maximalem Zoom zwischen f/5,6 oder f/6,3. Durch die kleine Anfangsblende werden damit bewusst eingesetzte Schärfeverläufe, etwa bei einem Porträt vor unscharfem Hintergrund, erschwert. Zudem haben Superzooms meist eine relativ große Naheinstellgrenze, so dass Sie zu Ihrem Motiv einen gewissen Abstand einhalten müssen, um dieses scharf zu fotografieren. Im Weitwinkel lassen sich in der Folge kreative Bildwirkungen nicht realisieren.

Grund für diese Einschränkungen sind die Gesetze der Physik. Je größer der Brennweitenbereich ist, den das Zoom abdeckt, desto schwieriger wird es, eine sehr gute Abbildungsleistung zu gewährleisten. Als Faustregel für eine gute Bildqualität gilt, dass die Endbrennweite nicht mehr als das Drei- oder Vierfache der Ausgangsbrennweite betragen sollte. Zum Vergleich: Der beliebte Telezoomklassiker von Canon, das EF 70-200mm 1:2,8 L USM (um 1.400 Euro), hat einen Zoomfaktor von 2,86. Das Tamron 18-400mm hingegen einen Zoomfaktor von 22,2. Die Folge: Während das 70-200mm bei 200mm noch sehr scharfe und kontrastreiche Bilder ablichtet, müssen Sie beim Tamron-Zoom mit qualitativ sichtbaren Abstrichen rechnen. Dies zeigt sich in unserem Praxistest (siehe Galerie oben) auch bei fast allen Superzooms. Einzige Ausnahmen: das Fujinon 18-135mm. Es überzeugte uns (mit Abstrichen) auch bei maximaler Brennweite.

Die Frage ist jedoch: Möchten Sie sich als Fotograf mit qualitativ mittelmäßigen (oder gar schlechten) Bildern begnügen? Unsere Meinung: nein! Denn bei der Fotografie geht es nicht nur um Flexibilität bei der Aufnahme zahlreicher Motive, sondern auch um scharfe und kontrastreiche Ergebnisse. Und hier ist es im Nachhinein schade, wenn Sie das Motiv zwar mit Ihrer 400mm-Brennweite eingefangen haben, aber die Abbildungsleistung einfach zu schwach ist, um das aufgenommene Motiv später als Bild an die Wand zu hängen.

Vier gute Gründe für ein Reisezoom

Lohnt sich der Kauf? Wir stellen Ihnen vier Aspekte vor, die dafür sprechen könnten. Empfehlen würden wir es aber nicht.

1. Im direkten Vergleich sind Reisezooms günstig. Preiswerter können Sie keinen so großen Brennweitenbereich abdecken.

2. Die Megazooms sind im Vergleich zu zwei oder drei einzelnen Objektiven viel leichter. Selbst das Tamron wiegt nur 710 Gramm.

3. Das Reisezoom ist Ihr „Immerdrauf“. Der Objektivwechsel entfällt. Damit reduziert sich auch die Gefahr von eindringendem Staub und Schmutz.

4. Ob weitläufige Landschaft oder schönes Detail, mit dem Superzoom sind Sie extrem flexibel und schnell. Die Bandbreite an Möglichkeiten ist riesig.

Leicht unterwegs

Keine Frage, Reisezooms haben ihre Daseinsberechtigung und können auch für einige eine gute erste Optik zum Kennenlernen der Brennweiten sein. Wer jedoch mehr erwartet, sollte aus unserer Sicht lieber auch etwas mehr investieren und zum Beispiel in zwei bis drei Telezooms mit durchgehender Lichtstärke investieren (s. blauer Kasten unten). Das zahlt sich langfristig aus. In vergleichbarer Flexibilität und erheblich besserer Bildqualität. Und für Letzteres nimmt man auch im Urlaub in Kauf, dass man doch mit ein wenig mehr Gepäck unterwegs ist. Die Mühe zahlt sich aus. Versprochen!

Reisezooms versprechen hohe Flexibilität und kreativen Spielraum. Doch die Brennweitenspannen fordern ihren Tribut: Die Bildqualität zieht gegenüber Telezooms wie dem 24-105mm oder dem 70-210mm den Kürzeren.

- Nico Metzger, DigitalPHOTO-Redaktion

Reisezoom Alternative - leichtes Telezoom

Reisezooms sind praktische Immerdraufs und überzeugen mit hoher Flexibilität – leider auf Kosten der Bildqualität. Unser Rat: Geben Sie Ihr Geld lieber für leichte Telezooms aus. Wie etwa Canons EF 24-105mm 1:4L IS II USM (um 1000 Euro), Nikons AF-S Nikkor 24–120 mm 1:4G ED VR (um 1100 Euro), Sigmas 24-105mm F4 DG OS HSM Art (um 700 Euro) oder Tamrons 70-210mm F/4 Di VC USD (um 500 Euro). Alle vier versprechen fotografische Vielseitigkeit bei zugleich deutlich höherer Bildqualität und konstanter Lichtstärke. Letzteres erleichtert vor allem das Fotografieren in der Dämmerung und in dunklen Innenräumen wie zum Beispiel Kirchen. Kurzum: Die leichten Telezooms werden Ihnen mit Sicherheit mehr Spaß – und vor allem bessere Fotos bereiten.

Im Vergleich: Acht Reisezooms für APS-C, MFT und Vollformat

Canon EF-S 18-200mm​ f/3,5-5,6 IS

Unsere Meinung: Die Zoomoptik deckt am APS-C-Sensor einen Brennweitenbereich von 28,8 bis 320mm ab. Damit sind Sie flexibel aufgestellt. Zudem ist das Objektiv leicht, besitzt einen Bildstabilisator und eine Innenfokussierung. Flotter könnte indes der Autofokusmotor arbeiten. Die Verarbeitungsqualität ist solides Mittelmaß, genau wie das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kürzeste Entfernung45 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:4,2
Filtergröße72 mm
Gewicht595 Gramm
AnschlussCanon EF-S
Preis449 Euro

Unser Urteil: Das bereits 2009 auf den Markt gebrachte Reisezoom von Canon ist nicht empfehlenswert. Für rund 450 Euro stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht.

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Fujinon XF18-135mm f/3,5-5,6 R LM OIS WR

Unsere Meinung: Mit 27 bis 202,5mm deckt das Fujinon einen recht kleinen Bereich ab, der Zoomfaktor liegt bei 7,5. Das hat konstruktive Vorteile, so dass die Optik in diesem Vergleich die beste Bildqualität liefert. Überzeugend sind der Wetterschutz und das Handling. Der große Zoomring erlaubt einen schnellen Brennweitenwechsel. Wermutstropfen: der hohe Preis.

Kürzeste Entfernung45 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:3,7
Filtergröße67 mm
Gewicht490 Gramm
AnschlussFujifilm X
Preis940 Euro

Unser Urteil: Das Fujinon-Reisezoom legt die Messlatte hoch und liefert im Vergleich die besten Bilder. Pluspunkte gibt es für den soliden Wetterschutz und das Handling.

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AF-S Nikkor 28-300mm​ f/3,5-5,6G ED VR

Unsere Meinung: Das Reisezoom für FX- und DX-Nikons bietet einen großzügigen Brennweitenbereich. An APS-C-Kameras reicht er von 42 bis 450mm. Im Telebereich macht sich der Bildstabilisator positiv bemerkbar, auch wenn er z. B. in der Dämmerung schnell an seine Grenzen stößt. Mit 800 Gramm ist das Nikkor relativ schwer und der Preis vergleichsweise hoch.

Kürzeste Entfernung50 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:3,1
Filtergröße77 mm
Gewicht800 Gramm
AnschlussNikon F
Preis879 Euro

Unser Urteil: Nikon brachte diesen Superzoom 2011 auf den Markt. Die Verarbeitung kann sich sehen lassen, in Sachen Schärfe ist das Objektiv aber nur bedingt empfehlenswert.

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Olympus Zuiko Digital ED 14‑150mm f/4‑5,6 II

Unsere Meinung: Mit 28 bis 300mm am Micro-Four-Thirds-Sensor lässt sich in der Theorie flexibel fotografieren. Doch die geringe Lichtstärke von lediglich f/4 bis f/5,6 schränkt Sie in der Praxis ein. Besser klappt es, wenn Sie das Olympus an sensorstabilisierten Kameras nutzen wie der OM-D E-M10 II. Die Verarbeitung und Bildqualität fallen allerdings durchwachsen aus.

Kürzeste Entfernung50 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:2,2
Filtergröße58 cm
Gewicht285 Gramm
AnschlussMicro Four Thirds
Preis519 Euro

Unser Urteil: Im Vergleich ist das Olympus mit nur 285 Gramm besonders leicht und zudem schön kompakt. Qualitativ liefert es aber nur solide, mittelmäßig scharfe Bilder.

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Panasonic Lumix G Vario HD f/4-5,8 14-140mm OIS

Unsere Meinung: Das 10-fach-MFT-Superzoom hat eine Reichweite von 28 bis 280mm und bietet somit kreativen Freiraum. Sehr gut gefällt uns der Bildstabilisator Power O.I.S., der auch in der Dämmerung noch ausreichend gut funktioniert. Zudem ist das Zoom auch für Filmaufnahmen in HD optimiert. Die Lichtstärke fällt genau wie beim Olympus schwach aus. Das Gehäuse aus Kunststoff könnte zudem insgesamt etwas wertiger sein.

Kürzeste Entfernung50 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:4
Filtergröße62 mm
Gewicht460 Gramm
AnschlussMicro Four Thirds
Preis528 Euro

Unser Urteil: Das Micro-Four-Thirds-Zoom bringt gegenüber der Olympus-Optik vor allem einen optischen Bildstabilisator (Power O.I.S.) mit. Im Praxistest sind die Aufnahmen vom Olympus aber besser.

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Sigma 18-250mm f/3,5- 6,3 DC Macro OS HSM

Unsere Meinung: Der leise Ultraschall-Autofokusmotor, die kurze Aufnahmedistanz und ein optischer Bildstabilisator zeichnen das Sigma-Superzoom aus. Zudem deckt es mit 27 bis 375mm einen großen Brennweitenbereich am APS-C-Sensor ab. Die Lichtstärke könnte jedoch besser ausfallen, genau wie die Verarbeitung des Gehäuses. Dafür ist das Sigma besonders preiswert. Qualitativ empfehlenswert ist es aber auch unserer Sicht nicht.

Kürzeste Entfernung35 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:2,9
Filtergröße62 mm
Gewicht510 Gramm
AnschlussEF-S, F, Sigma SA, Pentax K, Sony A
Preis255 Euro

Unser Urteil: Das Reisezoom von 2013 ist kompakt, liefert aber bei maximaler Brennweite keine ausreichende Qualität. Die bessere Reisezoomalternative von Sigma: das neue 18-300mm Contemporary (ca. 380 Euro).

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Sony 18-200mm f/3,5-6,3 OSS

Unsere Meinung: Die Sony-Optik ist mit allen E-Mount-Modellen kompatibel und liefert Brennweiten zwischen 27 und 300mm. Das verspricht Flexibilität. Unter dem Strich kämpft das Reisezoom aber mit den üblichen Bildqualitätsschwächen seiner Klasse. Auffällig sind hier vor allem Farbsäume im Weitwinkel und schwindende Schärfe im Telebereich. Mit einem Preis von rund 640 Euro ist der Preis immer noch vergleichsweise hoch.

Kürzeste Entfernung50 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:3,7
Filtergröße62 mm
Gewicht460 Gramm
AnschlussSony E
Preis639 Euro

Unser Urteil: Für E-Mount-Kameras hält Sony seit 2012 das 18-200mm bereit. Qualitativ aber keine empfehlenswerte Lösung, da vor allem im hohen Brennweitenbereich viele Details verloren gehen.

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Tamron 18-400mm f/3,5-6,3 Di II VC HLD

Unsere Meinung: Wer auf der Suche nach einem möglichst zoomstarken Objektiv ist, wird bei Tamron fündig. Mit 27 bis 600mm sind Sie vom Landschaftsfoto bis hin zur Wildlife-Aufnahme gut gerüstet. Unterstützt werden Sie von dem Bildstabilisator und dem HLD-Autofokusmotor. Letzterer arbeitet zügig und recht leise. Die Lichtstärke ist klassentypisch nur Durchschnitt. Bei schlechtem Licht wird das Fotografieren somit tendenziell schnell schwieriger.

Kürzeste Entfernung45 cm
Maximaler Abbildungsmaßstab1:2,9
Filtergröße72 mm
Gewicht710 Gramm
AnschlussCanon EF-S, Nikon F
PreisFFF

Unser Urteil: Mit einem Rekordzoomfaktor von 22,2 deckt das Tamron einen riesigen Bereich ab. Ab 300mm müssen Sie mit Abstrichen rechnen, die Detailauflösung bei 600mm ist gering. Der Preis ist aber fair.

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Crop-Faktor berücksichtigen

Die Brennweitenangaben in den Texten haben wir auf das jeweilige Sensorformat (Crop-Faktor) umgerechnet, was bedeutet das konkret? Die Abmessungen eines APS-C-Sensors sind deutlich kleiner als die eines Vollformatsensors (s. Grafik oben). Somit verlängert der kleinere Sensor die empfundene Brennweite eines Objektivs um den Faktor 1,5 bzw. 1,6 (nur Canon). Dieser Vergrößerungseffekt im Bild ist als Cropfaktor bekannt. Der FourThirds-Sensor hat ein abweichendes Seitenverhältnis und den Cropfaktor 2,0 (Olympus, Panasonic). Die Brennweite selbst verändert sich dabei natürlich nicht, vielmehr beschneidet der kleinere Bildsensor das Foto an den Rändern, dadurch vergrößert sich auch die Schärfentiefe. Um eine Brennweite mit 50mm an einer Crop-Kamera zu erzielen, verwenden Sie daher eine Optik um 30mm.

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