Ratgeber

Sind Lightroom-Presets Schnee von gestern? Die Preset-Revolution

Pavel und Miho vom Kreativstudio Pavel Kaplun sind sich sicher: Mit dem neuesten Adobe-Cloud-Update steht uns ein neues Preset-Zeitalter bevor. Wir müssen völlig neu denken, was Presets sind und was sie leisten können. Ihre eigenen Presets sind schon länger deutlich mächtiger als der Standard.

Kreativstudio Pavel Kaplun

Pavel Kaplun ist längst ein fester Bestandteil der deutschsprachigen Fotografie- und Bildbearbeitungs-Landschaft. Seit über 20 Jahren ist er als Fotokünstler, Grafiker, Kreativberater sowie Video-, Event- und Workshop-Trainer tätig.

Seit 2013 ist Miho Birimisa Teil seines Teams. Seite an Seite betreiben sie seitdem das „Kreativstudio Pavel Kaplun“ erfolgreich zusammen und inspirieren weiterhin die Szene mit ihrer unterhaltsamen Art und ihrem unverwechselbaren Bildstil.

www.kaplun.de 

www.instagram.com/pavel.kaplun.art 

Presets für Lightroom

Im Internet lachen uns ständig umwerfende Bilder an, und man fragt sich: „Wie wurden diese Fotos so bearbeitet, dass sie so einen coolen Bildlook haben?“ Oft lautet die Antwort: „Mit den Presets von XYZ! Ein Klick, und dein Bild wird genauso aussehen.“ Insbesondere sind die sozialen Medien voll mit derartigen Versprechen, gepaart mit Werbeanzeigen für das neueste revolutionäre Preset-Paket. 

Die Revolution sieht dann zu Hause meist so aus: eigenes Bild aufrufen, Preset auswählen und sich überraschen lassen – passt das Preset zu meinem Bild oder doch nicht? Dann heißt es, die Regler in der Software weiter verschieben, bis ein brauchbares Ergebnis herauskommt.

Diese Art von Presets nennen Pavel und Miho „monolithisch“ – entworfen für eine ganz bestimmte Art von Fotos und schwer bis gar nicht auf andere übertragbar. Monolithische Presets enthalten meist Einstellungen aus ganz verschiedenen Bereichen – von Lichtern, Schatten, Dynamik und Belichtung über HSL bis hin zur Vignettierung.

Aus diesem Grund funktionieren sie nur für wenige der eigenen Aufnahmen. Dadurch spart man kaum Zeit, denn etwas aufwendiger bearbeitete Bilder leben von lokalen Anpassungen und nicht von den globalen Einstellungen, die über das Preset auf das ganze Foto wirken.

Die Mehrheit der am Markt erhältlichen Presets ist leider monolithisch, und sie funktionieren heute noch genau so wie vor zehn Jahren. Darüber hinaus lässt sich auch nur eines dieser Presets auf ein Foto anwenden. Ein Klick auf ein anderes Preset überschreibt die Einstellungen, die zuvor gemacht wurden.

Die etwas intelligentere Variante nennen Pavel und Miho „modulare Presets“. Beim Speichern eines Presets in Lightroom stellt man fest, dass alle Einstellungen nach verschiedenen Kategorien gruppiert sind, z.B. „Grundeinstellungen“, „HSL/Farbe“ oder „Gradationskurve“.

Während monolithische Presets Einstellungen aus mehreren bzw. allen Kategorien enthalten, findet man hier nur Einstellungen aus einer Kategorie. Das ist ein gravierender Vorteil, denn modulare Presets lassen sich kombinieren und überschreiben sich nicht gegenseitig. Aus den traditionellen Ein-Klick-Lösungen der monolithischen Presets wird so eine Art Baukasten, der für viele Fotos eine zufriedenstellende Bearbeitung liefert.

Dennoch zielen beide Arten von Presets auf die immer gleichen Regler ab. Passt die Bearbeitung durch ein Preset nicht, müssen genau diese Regler wieder korrigiert werden. Darüber hinaus sind die Presets auf die Anzahl der Standard-Regler wie Belichtung, Lichter, Schatten etc. limitiert und wirken immer auf das komplette Bild. Ein richtiger Werkzeug-Kasten sollte mehr können.

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Die echte Revolution

Lightroom bietet seit Jahren lokale Korrekturen über Pinsel, Verläufe und Radialfilter. Diese Korrekturen lassen sich über Bereichsmasken einschränken, sodass sie nur für bestimmte Helligkeits- oder Farbbereiche gelten. Und sie sind Preset-fähig! Deshalb haben Pavel und Miho auch vor zwei Jahren ihre Marmeladisierungs-Presets auf den Markt gebracht.

Diese stellten damals eine kleine Revolution dar, denn sie boten (und bieten bis heute) ungeahnte Möglichkeiten in Sachen Flexibilität und Präzision. Anwender*innen können eine Kombination von bis zu drei verschiedenen Presets auf ein Bild anwenden: ein Preset basierend auf einem Pinsel, ein Preset basierend auf einem Verlauf und ein drittes basierend auf einem Radialfilter.

Alle diese Presets sind so gebaut, dass sie über das ganze Bild gehen, gleichzeitig aber über Bereichsmasken pixelgenau eingeschränkt werden und so z.B. nur auf einen bestimmten Helligkeits- oder Farbbereich wirken. Mit wenigen Presets entstanden so Tausende von Kombinationsmöglichkeiten, die so funktionieren, wie Fotografierende in der Praxis arbeiten.

Der Clou dabei: Kein Standard-Regler wird durch derartige Presets verändert. Selbst nach Anwendung von mehreren Presets sind alle normalen Regler in Lightroom nach wie vor unberührt und bieten jedem immer noch alle Möglichkeiten, das Bild nach dem eigenen Geschmack zu finalisieren. Deshalb nennen wir diese Art von Presets „non-destruktiv“.

Ständig weiter ausfeilen

Für Fans der Bildbearbeitung auf mobilen Geräten waren und sind non-destruktive Presets eine absolute Bereicherung, denn bis vor Kurzem existierten Bereichsmasken auf dem Smartphone oder dem Tablet nicht. Über den Einsatz von Presets, die Bereichsmasken „im Bauch“ hatten, funktionierten sie dennoch und ermöglichen eine präzise und komplexe Bildbearbeitung für unterwegs.

Aus diesem Grund haben Pavel und Miho seitdem ihr Portfolio solcher Presets kontinuierlich erweitert – von Nachtfotografie über Farbharmonien bis hin zur Schwarzweiß-Fotografie. Im Oktober 2021 hat Adobe neue Versionen von Lightroom, Lightroom Classic und Camera Raw vorgestellt.

Eines der größten Highlights war die komplette Überarbeitung aller lokalen Korrekturen und deren Zusammenfassung unter dem Punkt „Maskieren“. Die Farb- und Luminanz-Bereichsmasken, die wir bis dahin kannten, erscheinen jetzt auf der gleichen Stufe wie Pinsel, radiale und lineare Verläufe.

Der Vorteil: Alles ist miteinander kombinierbar. Auf allen Geräten! So ist hochkomplexe und qualitativ hochwertige Bildbearbeitung ohne Photoshop möglich. Für Presets bricht mit diesem Software-Release ein neues Zeitalter an, denn „Maskieren“ ist jetzt Preset-fähig (5).

Alle Einstellungen, die man über lokale Korrekturen im Bereich „Maskieren“ vornimmt, lassen sich mit nur einem Mausklick als Preset abspeichern – erstmalig in dieser Ausprägung auch für unterwegs. Und von nun an sind Presets additiv und überschreiben sich nicht.

Preset- und Pinsel-Kollektionen für Lightroom und Camera Raw

Unter shop.kaplun.de/filter-brushes finden Sie alle Preset- und Pinsel- Kollektionen für Lightoom (Desktop, Mobile) und Camera Raw, die Pavel und Miho für Ihre eigenen digitalen Kunstwerke erstellt haben. Im Shop erwarten Sie auch Workshops, Event-Termine, Privatunterricht-Buchungsmöglickeiten, sowie Bücher und DVDs des kreativen Duos aus Hannover.

Zum Kreativstudio Pavel Kaplun

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