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Leserinterview: 10 Fragen an Esther Margraff

Es ist wirklich faszinierend, welche kreative Ideen heutzutage bei Grafikprogrammen umsetzbar sind. Wahre Kunstwerke erstellt die Belgierin Esther Margraff, die das Surreale sozusagen im Blut hat.

Was ist auf dem Foto zu sehen?

Eine pingelige Architektin, die Loch für Loch in das von ihr geplante Gebäude selber stanzt.

Haben Sie die Frau fotografiert und die Häuser am Computer erstellt?

Ja, das ist richtig. Ich habe Sarah bei einem gemeinsamen Shooting mit Freunden fotografiert und das Gebäude mit VUE xStream gebaut.

Fotografieren Sie für Ihre Arbeit selbst?

Ich fotografiere selbst. 3D-Programme nutze ich, um fehlende Dinge oder Kulissen zu erstellen. Das war auch ein Grund, mit den Programmen zu arbeiten. Stockbilder brauche ich höchstens für Details, am liebsten gar nicht.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit der digitalen Bildbearbeitung?

Schon seit über 20 Jahren. Angefangen hat es mit dem Grafikpaket Corel-DRAW, das ich mir aus beruflichen Gründen angeschafft hatte. PHOTOPAINT war im Paket mit drin. Von Photoshop sprach damals noch keiner.

Und wann kamen 3D-Programme hinzu?

Vor ca. 13 Jahren. Angefangen habe ich mit Bryce und Poser. Bryce war sehr intuitiv erfassbar. Da habe ich richtig Lust bekommen weiterzumachen. Bei diesem Bild kam VUE xStream und auch Poser zum Einsatz.

Wie waren hier die Arbeitsschritte?

Wie so oft habe ich einfach mit meinem 3D-Programm rumgespielt. Diesmal mit den Alphakanälen. Das Lochmuster fand ich interessant, weil es zusammen mit dem Licht schöne, grafische Schatten erzeugte. Die Kulisse war also zuerst da. Dann habe ich über eine Story nachgedacht und bin auf die Idee mit der pingeligen Architektin gekommen. In meinen Archiven habe ich nach einer passenden Pose gesucht und gefunden. Den Rock habe ich mit dem Geländeeditor generiert.

Entstanden ist ein surreales Bild.

Surrealisten haben in Belgien eine große Tradition. Ich mag es, den Betrachter zu irritieren. Wo fängt die Fiktion an, wo hört die Wirklichkeit auf?

Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?

Oft kommen die Ideen beim Spielen mit den 3D-Programmen. Sie entstehen eigentlich immer erst, wenn ich vorm Computer sitze, selten vorher.

Was war das Schwierigste bei dem Bild?

Am Anfang steht immer eine genaue Analyse der Licht-, Farb- und Kontrastverhältnisse des schon bestehenden Materials. Die richtige Bewegung zu generieren, um den Schatten der Person zu errechnen, war das Schwierigste.

Haben Sie die Bildbearbeitung auch im Kunstunterricht verwendet?

Mittlerweile bin ich im Ruhestand, aber ich habe die digitale Bildbearbeitung und auch die Fotografie schon früh im Unterricht eingesetzt. Kunstunterricht ist heutzutage auch Informatikunterricht und Medienkunde. Schüler sind da richtig in ihrem Element.

Esther Margraff (64)

Esther Margraff lebt im belgischen Eynatten, direkt an der deutschen Grenze. Nach ihrem Kunststudium in Lüttich arbeitete Margraff 36 Jahre lang als Kunsterzieherin. Heute erstellt sie ihre Kunstwerke meist mit Fotoapparat und Bearbeitungsprogrammen. Seit 2004 zeigt sie ihre Arbeiten auf: fotocommunity.de/fotografin/esthermargraff/501566

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