Die Bildbearbeitung ist aus der Landschaftsfotografie nicht wegzudenken. Doch wer Farben, Kontraste und Licht gezielt anpasst, kann schnell übers Ziel hinausschießen. Wir zeigen acht typische Fehler bei der Bearbeitung von Landschaftsfotos und wie Sie diese vermeiden.

Diese 8 Fehler sollten Sie bei der Bildbearbeitung Ihrer Landschaftsfotos vermeiden
Ob Aufhellen oder Abdunkeln, ob Kontraste oder Farben anpassen – schon allein, um ein RAW unserer natürlichen Wahrnehmung anzunähern, ist Bildbearbeitung in der Landschaftsfotografie unverzichtbar.
Doch mehr noch: In der künstlerisch orientierten Landschaftsfotografie wollen wir unsere Bilder bewusst gestalten und unsere individuelle Vision einer vorgefundenen Szene umsetzen. Gerade am Anfang können dabei viele Fehler passieren.
Wer diese „Fallen“ kennt und weiß, wie man sie vermeidet, ist in der Bildbearbeitung bereits einen großen Schritt weiter.

Markus Albert ist mehrfach ausgezeichneter Landschafts- und Fine- Art-Fotograf aus Frankfurt am Main und arbeitet unter anderem als Dozent und Workshop-Leiter für Fotosafari, artistravel und The Photo Academy. Er ist Autor des E-Books „Bildbearbeitung in der Landschaftsfotografie“ (Rheinwerk- Verlag) und vermittelt in Kursen und Coachings vor allem Themen rund um Komposition und Bildbearbeitung.
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1. Fehler: Presets statt Bildidee
Presets finden sich beispielsweise im „Entwickeln“-Modul von Adobe Lightroom. Natürlich kann ein Preset als Einstieg in die Bearbeitung eines Bildes dienen. Doch das Prinzip „Preset draufknallen und fertig“ führt aus meiner Sicht nur selten zu wirklich guten Ergebnissen.
Jedes RAW kommt mit eigener Farbtemperatur, individuellen Farbnuancen und einer ganz eigenen Belichtung – ein fertiges Rezept passt selten exakt auf diese Ausgangssituation. Sinnvoller ist es, Presets als Anregung zu verstehen und den eigentlichen Einstieg über die Bildidee zu finden. Dabei hilft die Frage: Wie habe ich diesen Moment erlebt – oder wie sehe ich das Bild in meinem Kopf?
Ist meine kreative Vision dramatischer, kühler und dunkler als das RAW, kann ich die Belichtung bewusst zurückfahren und die Farbtemperatur abkühlen oder über ein Color Grading nachdenken, bei dem ich die Schatten leicht ins Blau ziehe und die Lichter warm-weiß halte?
Umgekehrt kann eine Szene auch ruhiger, heller und reduzierter wirken als ein Preset es vorgibt. Entscheidend ist, dass nicht der Look das Bild diktiert, sondern die Bildidee die Bearbeitung steuert.


2. Fehler: Zu starke globale Kontraste

Hell-Dunkel-Kontraste ziehen unseren Blick an und wirken deshalb in der Bildbearbeitung oft zunächst eindrucksvoll. Häufig wird dann das gesamte Bild „knackig“ gemacht – Vorder- und Hintergrund gleichermaßen. Kurzfristig wirkt das spektakulär, langfristig geht aber Bildtiefe verloren:
Schwarztöne werden überall erhöht, Dunst verschwindet, Staffelung löst sich auf. Dabei ist genau diese atmosphärische Perspektive – Dunst, geringere Kontraste und weniger Farbsättigung im Hintergrund – enorm wichtig für den subjektiven Eindruck von Tiefe. Je weiter ein Objekt in der Natur entfernt ist, desto heller, weniger kontrastreich und zurückhaltender gefärbt nimmt unser Auge es wahr.
Besonders gut lässt sich dieser Effekt bei romantischen Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts beobachten, etwa in den Arbeiten der Hudson River School: In der Distanz wurden Kontraste bewusst gemindert, dunkle Tonwerte reduziert und mit Dunst und Atmosphäre gearbeitet, um die Raumwirkung und Dreidimensionalität zu stärken.
Für den Vordergrund kann eine gezielte Kontrastanhebung durchaus sinnvoll sein, um Struktur und Präsenz zu betonen. Für Objekte im Hintergrund ist sie hingegen selten eine gute Idee. Wer dort ebenso stark „zupackt“ wie im Vordergrund, glättet die Staffelung und lässt die Landschaft zur flachen Kulisse werden – eindrucksvoll auf den ersten Blick, aber arm an Tiefe und Atmosphäre.
3. Fehler: Reines Schwarz und Weiß

Was in Schwarzweiß-Bildern in kleinen Anteilen oft sogar erwünscht ist, ist in Farbbildern meist ein No-Go: große Flächen mit 100 Prozent reinem Schwarz oder Weiß. Bereiche ohne Zeichnung und Details sind für den Betrachter schlicht leere Flächen ohne Informationsgehalt – sie ziehen zwar den Blick, bieten ihm aber nichts, woran sich sein Blick aufhängen kann.
In der Bildbearbeitung gilt es daher, das Histogramm im Auge zu behalten und „abgesoffene“ Schatten oder „ausgefressene“ Lichter möglichst zu korrigieren. Ziel ist ein Dynamikumfang, bei dem die Kurve im Diagramm weder links (Schwarz) noch rechts (Weiß) hart „anschlägt“ – zumindest nicht großflächig und unkontrolliert.
Am besten ist es, sich diese Kontrolle schon beim Shooting vor Ort anzugewöhnen: Moderne Kameras bieten in RAW eine erstaunliche Reserve für leichte Unterbelichtungen. Diese lassen sich im RAW-Konverter in vielen Fällen gut aufhellen.
Etwaiges Rauschen kann durch Entrauschungsfunktionen meist problemlos entfernt werden. Anders sieht es bei deutlicher Überbelichtung aus. Sind helle Bereiche so stark überbelichtet, dass der Sensor sie als reines Weiß speichert, fehlt dort schlicht die Bildinformation – sie lassen sich in der Bearbeitung nicht mehr sinnvoll „zurückholen“.
Deshalb arbeite ich in der Praxis lieber mit einer leicht defensiven Belichtung und korrigiere bei Bedarf in Lightroom nach, statt kritische Highlights im Himmel oder Wasser zu riskieren. Bewusst eingesetzte, kleine Spitzlichter können gestalterisch durchaus Sinn ergeben und kreativ genutzt werden.
Großflächige, strukturlos weiße oder pechschwarze Bereiche sind in den meisten Farbbildern aber ein Zeichen dafür, dass Belichtung und Bearbeitung noch nicht am Ziel sind.
4. Fehler: Zu viel Orton-Effekt

Der Orton-Effekt bewirkt ein magisches „Glühen“ in den Lichtern – manchmal auch in den Schatten – und ist ein hervorragendes Mittel, um einem Bild den letzten Schliff und einen sanften Glow zu verleihen.
Auf den ersten Blick wirkt die Aufnahme dadurch oft verträumt und malerisch. Zu viel Orton-Effekt sorgt allerdings schnell dafür, dass das Bild „verschmiert“ wirkt und Schärfe sowie Details verliert. Strukturen werden weichgezeichnet, Kontraste flauen ab, und das Bild kann wie unscharf oder milchig erscheinen. Deshalb ist es wichtig, den Effekt sparsam und bewusst dosiert einzusetzen.
Ich selbst nutze beim Orton-Effekt meist nicht mehr als etwa 7 bis maximal 10 Prozent Deckkraft – deutlich darüber kippt die Wirkung aus meiner Sicht ins Künstliche. Zudem setze ich nur selten beide Orton-Varianten, also den hellen und den dunklen Orton-Effekt, innerhalb eines einzigen Bildes ein.
In den meisten Fällen reicht eine subtil eingesetzte Glow-Komponente völlig aus, um die Lichtstimmung zu verstärken, ohne die natürliche Anmutung und Detailzeichnung zu opfern.
5. Fehler: Keine Pausen machen
Wer zu lange an einem Bild sitzt, verliert mit der Zeit die Urteilskraft und gewöhnt sich an bestimmte Effekte, Farbkontraste und Belichtungssituationen.
Die eigene Wahrnehmung passt sich an das an, was man gerade sieht – Sättigung, Glow oder Kontrast wirken irgendwann „normal“, obwohl sie objektiv bereits überzogen sind. Kreative Pausen sind deshalb wichtig, um wieder die nötige kritische Distanz zum eigenen Bild zu gewinnen.
Bei schwierigeren oder aufwendigeren Bearbeitungen lege ich daher zwischendurch bewusst den Zeichenstift zur Seite – oder schlafe einmal darüber. Nicht selten entdecke ich am nächsten Tag mit frischem Blick Dinge, die mir zuletzt nicht mehr aufgefallen sind: zu harte Kontraste, Farbstiche, überdosierte Effekte oder Details, die plötzlich stören.
Dieser Abstand hilft mir, das Bild wieder als Ganzes zu sehen und nicht nur als Summe von Einzelentscheidungen, die sich im Bearbeitungsprozess eingeschlichen haben.
6. Fehler: Übersättigte Farben

Stark gesättigte Flächen ziehen die Aufmerksamkeit an. Wird die Sättigung global stark erhöht, werden alle Farben gleichermaßen intensiver. Im schlimmsten Fall entsteht ein Chaos aus Farben: Es gibt keine Hierarchie mehr unter den Bildelementen, die Blickführung geht verloren und das Auge findet keinen Ruhepunkt.
Hinzu kommt: In realen Landschaften sind Farben abhängig vom Licht – direkt beleuchtete Bereiche sind kräftiger, Schatten kühler und entsättigter. Zu viel Sättigung nivelliert diese Unterschiede, die Szene wirkt „plakativer“, aber weniger räumlich und stimmungsvoll.
Eine selektive Farbanpassung ist daher meist sinnvoller als eine globale. Das heißt: Einzelne Farbtöne oder Bildbereiche werden gezielt und moderat angepasst – etwa über HSL-Regler oder selektive Farbkorrekturen –, statt die Farbsättigung im gesamten Bild pauschal „hochzudrehen“.
7. Fehler: Übertriebene Details

Zwar ist es wichtig, dass nirgends Details und Zeichnung komplett verloren gehen – idealerweise sind aber nicht alle Details gleich stark sichtbar. Wenn jeder Ast, jedes Totholz und jedes Steinchen gleich auffällig behandelt wird, geht das immer auf Kosten des Hauptmotivs.
Die klare Bildhierarchie geht verloren, und der Blick findet kein Zentrum mehr – ein Fehler, der in vielen Landschaftsbildern vorkommt. In dunklen Bereichen dürfen Details ruhig „stiller“ werden, ohne dass sie vollständig absaufen.
Um störende Details zum Schweigen zu bringen, nutze ich Vignetten an den Bildrändern, die ich in Photoshop mit einem schwarzen Pinsel und etwa 10 bis 12 Prozent Deckkraft im Modus „Weiches Licht“ ins Bild male.
Alternativ – etwa bei starkem Unterholz oder irritierendem Blattwerk in Waldfotografien – setze ich einen dunklen, kühlen Orton-Effekt ein, der die Ränder zusätzlich leicht weicher und zurückhaltender wirken lässt.
8. Fehler: Zu starke Schärfung

Eine zu starke Bildschärfung hat gleich mehrere Nachteile: Zum einen konterkariert sie einen malerischen oder atmosphärischen Look und lässt das Bild schnell nüchtern-dokumentarisch wirken.
Zum anderen führt sie leicht zu Artefakten und unschönen Lichtkanten (Halos) an Kontrastübergängen – ein typisches Zeichen übertriebener Schärfe. Besser ist es, schon beim Fotografieren auf eine möglichst hohe Ausgangsschärfe zu achten, also auf saubere Fokussierung, ruhige Kameraführung und eine passende Blende.
Bei Motiven mit sehr nahen Vordergrundobjekten bietet sich das Fokus-Stacking an: Hierbei wird dieselbe Szene mit unterschiedlichen Fokuspunkten mehrfach fotografiert, die Einzelbilder werden später in Photoshop zu einem Bild mit durchgehender Schärfe verschmolzen.
So entsteht technische Schärfe dort, wo sie sinnvoll ist, ohne die Schärfe im gesamten Bild über Schärfungsregler „hochzuziehen“. In der Bearbeitung schärfe ich – wenn überhaupt – gezielt im Vordergrund oder erhöhe über den Regler Klarheit in Camera Raw sparsam die lokalen Kontraste in den Mitteltönen, damit Texturen und Details etwas „griffiger“ wirken.

Wenn Sie die hier angerissenen Themen vertiefen möchten, finden Sie in meinem E-Book „Bildbearbeitung in der Landschaftsfotografie“ (Rheinwerk-Verlag) ausführliche Praxisbeispiele und komplette Bearbeitungsabläufe. Dort zeige ich Ihnen ausführlich, wie ich mit einem klar strukturierten Workflow und der Protokollpinsel- Technik in Photoshop arbeite – ohne aufwändige Ebenenstapel und Maskenchaos.

