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Geld verdienen mit Hochzeitsfotografie - 3 Profi-Fotografen im Gespräch

Geld verdienen mit Hochzeitsfotografie | Egal, ob strahlend hell oder in sinnlich dunklen Tönen, natürlich oder inszeniert: Um aus der Masse an Hochzeitsfotografen hervorzustechen und Kunden für sich zu begeistern, brauchen Sie als Fotograf vor allem eins: einen individuellen Bildstil mit Wiedererkennungswert! Lassen Sie sich von den unverkennbaren Looks unserer Profis inspirieren und lesen Sie in den Interviews, wie Sie unvergessliche Momente in einzigartigen Bildern festhalten.

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Angelika und Artur, alias die Hochzeitsfotografen www.diehochzeitsfotografen.de

Angelika und Artur haben sich sowohl privat als auch beruflich gefunden, und sind seit 2010 als erfolgreiches Fotografenpaar in der Hochzeitsszene unterwegs. Im Interview erzählen sie von ihrer Arbeit – und Leidenschaft.

Angelika und Artur, würdet ihr uns kurz erzählen, wie ihr zur Hochzeitsfotografie gekommen seid? Was begeistert euch daran?

Artur: Angelikas Papa ist auch Fotograf. Sie ist also mit diesem Beruf aufgewachsen und es stand schon sehr schnell für sie fest, dass sie Fotografin werden wollte. Ich wurde dann quasi von Angelika „infiziert“ und bin dann schließlich 2010 auch in die Branche mit eingestiegen. Seit wir uns auf hochwertige Hochzeitsfotografie spezialisiert haben, ist unsere Inspiration das Festhalten von einmaligen Momenten. Wir möchten Schönheit sichtbar machen und Emotionen festhalten.

Wie viel Zeit und Energie steckt ihr in die Vorbereitung auf eine Hochzeit?

Angelika: Das fängt ja schon mit der ersten Buchungsanfrage an und je nach gebuchtem Paket kommt dann auch noch ein Paarshooting vor der Hochzeit mit dem Paar dazu. Wir haben die Stunden noch nie gezählt, aber in Summe kommen pro Auftrag alleine in der Vorbereitung sicher um die drei bis sechs Stunden zusammen. Je nach Dauer der Hochzeitsbegleitung mindestens zehn bis 15 Stunden am Tag selbst und dann nochmals mehrere Tage Nacharbeit. Sehr wichtig ist uns hierbei der persönliche Kontakt zu unseren Paaren. Ab einer gewissen Preisklasse geht es nicht mehr nur um eine Dienstleistung, sondern man muss sich auch persönlich verstehen. Immerhin ist man an einem sehr intimen Tag die ganze Zeit mit dabei.

Ihr fotografiert im Team: Läuft das spontan und intuitiv ab oder hat jeder über den Tag hinweg sein festgestecktes „Aufgabengebiet“?

Artur: Wir werden meistens als Foto- und Videoteam engagiert, da ich mich in den letzten Jahren mehr auf die Videografie spezialisiert habe. Da hat dann jeder seinen Aufgabenbereich. Angelika fotografiert und ich filme.

Welche Momente auf einer Hochzeit fotografiert ihr am liebsten? Und welche stellen die größte Herausforderung für euch dar?

Angelika: Es ist schwierig zu sagen, welchen Moment wir am liebsten fotografieren. Wenn das Brautpaar eine super Stimmung hat und sehr emotional ist und diese Stimmung auch auf die Gäste übergeht, dann ist jeder Moment schön. Unsere größten Herausforderungen sind stark und schnell wechselnde Lichtsituationen, wie zum Beispiel der Auszug aus einer dunklen Kirche in gleißende Mittagssonne, oder eine Trauung unter freiem Himmel mit Sonne und Wolken im Wechsel. Oder evangelische Pfarrer, die sind oftmals nicht sehr begeistert, wenn man in „ihrer“ Kirche fotografiert, und wollen einen am liebsten in eine Ecke stellen, von der man dann alles fotografieren soll. Aber mit Arturs Charme funktioniert das meistens ziemlich gut.

Wie würdet ihr euren Stil selbst beschreiben? Und wie hat sich dieser entwickelt?

Artur: Unser Stil ist zeitlos, hell, romantisch, klassisch, aber auf keinen Fall altmodisch! Wir haben natürlich nicht direkt von Anfang an so fotografiert, wie wir heute fotografieren – schön wär‘s. Aber Angelika hat sich schon sehr früh an dem Fine-Art-Stil von großen amerikanischen Hochzeitsfotografen orientiert, und mit den Jahren haben wir diesen Stil perfektioniert und weiterentwickelt.

Luisa und André, alias Lulugraphie | www.lulugraphie.de

„Seelenmomente konservieren“ lautet das Ziel von Luisa und André – in der Fotoszene bekannt als Lulugraphie. Wie das Fotografenpaar authentische und lebendige Reportagen für die Ewigkeit festhält, verraten sie im Gespräch.

Luisa und André, wie seid ihr zur Hochzeitsfotografie gekommen? Was fasziniert euch daran?

Wir waren 2011 zum ersten Mal zu Gast auf einer Hochzeit und Luisa hatte gerade ihre erste Spiegelreflexkamera mit Kit-Objektiv geschenkt bekommen. Als sie beim Einzug von Braut und Brautvater in die Kirche bemerkte, dass niemand Fotos macht, wurde sie ganz unruhig und hat von da an den ganzen Tag Momente eingefangen. Diese Hochzeit hat das Feuer entfacht und war der Anfang von Lulugraphie. Es beflügelt uns, dass wir einen Teil Zeitgeschichte einer Familie in Bildern verewigen dürfen. Mit ganz viel Liebe und Leidenschaft hinterlassen wir auch unsere Spuren. Zeit und Liebe fasziniert uns.

Würdet ihr euch eher als stille Beobachter oder offensive Fotografen beschreiben?

Das variiert von Mensch zu Mensch. Wir finden, Kommunikation ist eines der wichtigsten Werkzeuge und diese gekonnt einzusetzen, ist die größte Herausforderung. Dafür braucht man ein gutes Taktgefühl. Das Brautpaar hat uns ausgesucht und wir haben uns vorab ausführlich kennengelernt und wir verstehen uns am Tag der Hochzeit ohne viele Worte. Die Gäste dagegen können schon mal etwas unsicher sein. Wenn wir das merken, sprechen wir sie an und geben ihnen ein gutes Gefühl. Wenn alle ein gutes Gefühl haben, dann ist das stille Beobachten auch einfacher.

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Wie würdet ihr euren Bildstil beschreiben?

Melancholisch, dramatisch, humorvoll und lebendig. Mit jeder Hochzeit und jedem Bild entwickelt sich unser Bildstil still und schleichend weiter. Erfahrungen und Experimente sind der Grund für jede Stilentwicklung. Mut wird dabei immer belohnt.

Wie läuft das Fotografieren im Team ab?

André sagt immer, er fotografiert die Momente, von denen er glaubt, dass ich sie fotografieren würde, wenn ich sie sehen würde. Das Schöne daran, dass wir zu zweit sind, ist, dass wir noch kreativer und mutiger werden können. Einer fotografiert die „Must-haves“ und der andere macht sich auf die Suche nach den vielen kleinen unscheinbaren Momenten und ausgefallenen Blickwinkeln, die den späteren Betrachtern das Gefühl geben, mitten drin zu sein.

Was ist für euch die größte fotografische Herausforderung auf einer Hochzeit?

Die Gruppenbilder lieben wir sehr. Uns ist es wichtig, dass sich jeder Einzelne wohlfühlt. Die Herausforderung besteht darin, mehreren Menschen gleichzeitig und in kurzer Zeit die Scheu vor der Kamera zu nehmen. Am liebsten würden wir auf jeden Einzelnen tiefgründig eingehen, um herauszufinden, woran es liegt. Das geht natürlich nicht, aber wir haben über die Jahre Talente entwickelt, die die schüchternsten Menschen aus der Reserve locken.

Und nun umgekehrt: Welche Momente einer Hochzeit fotografiert ihr am liebsten?

Den „First Look“. Am liebsten nur von Braut und Bräutigam. Wir sorgen für eine romantische Stimmung und platzen dabei selbst vor lauter Freude und Aufregung. Es entstehen in kurzer Zeit sehr ehrliche und intensive Bilder. Ein Wechselbad der Gefühle. Es wird geweint, gelacht und wieder geweint.

Koray, alias Koray Design Photography | www.koray-design.de

Von frühen Kindheitstagen an entwickelte Koray ihre Leidenschaft für Mode, Fotografie und Kunst. Heute bestimmen diese Themen ihren Berufsalltag. Fotografisch widmet sich die Künstlerin mit Herzblut der Hochzeits- und Pärchenfotografie.

Koray, wie bist du zur Hochzeitsfotografie gekommen?

Kunst und Fotografie gehören seit meiner Kindheit zu meinen großen Interessen. Die erste Spiegelreflexkamera bekam ich mit 23 Jahren geschenkt. Da ich Mode-Designerin bin, habe ich erstmals meine Freunde als Versuchskaninchen vor die Kamera gezerrt, und mich an der Modefotografie versucht. Zur selben Zeit war die Hochzeit meiner Cousine und ich hatte das erste Mal ein Brautpaar vor der Kamera. Und so kam eins nach dem anderen. Die Bilder haben für großes Interesse in meinem Umfeld gesorgt, so dass ich nach nicht allzu langer Zeit schon das erste echte Brautshooting hatte.

Du fotografierst zum Großteil auf türkischen Hochzeiten, richtig? Wie kam es dazu?

Ja, meine Brautpaare sind tatsächlich zu 90 Prozent türkisch. Es hat auch alles mit türkischen Hochzeiten begonnen. Das waren meine allerersten Aufträge. Zu der Frage „Wie es dazu kam“ habe ich eine mögliche Erklärung. Mit der Hochzeitsfotografie begann ich vor über zehn Jahren, damals gab es keine türkische Fotografin in unserem Umfeld. Ich war eine der Ersten, somit hat sich das schnell rumgesprochen.

Gibt es hierfür besondere fotografische Anforderungen beziehungsweise Erwartungen, die man kennen und erfüllen sollte?

Nein, jede Hochzeit ist für sich anders und individuell. Jede Religion hat ihre Rituale und Bräuche. Auf türkischen Hochzeiten zum Beispiel ist der wichtigste und der emotionalste Part die Brautabholung, also wenn die Braut das Brauthaus verlässt. Isoliert betrachtet wirken Erfahrungen wahrscheinlich unscheinbar, in Kombination liefern sie aber womöglich den entscheidenden Impuls. Die unbewusste Kombination und Verknüpfung meiner Erfahrungen bezeichne ich als die eigentliche Inspiration für solche Momentaufnahmen.

Gibt es etwas, was du besonders herausfordernd findest?

Ja, fotografieren unter Zeitdruck. Es kommt häufig vor, dass Brautpaare das Zeitmanagement am Hochzeitstag unterschätzen. Meistens werde ich für das Brautshooting gebucht, und für gute Bilder brauche ich mindestens eine Stunde, da das Brautpaar erst ein Gefühl für die Posen entwickeln muss.

Viele Hochzeitsfotografen greifen eher selten zum Blitz. Wie sieht das bei dir aus?

Ja, auch ich fotografiere sehr selten mit dem Blitz. Egal, wie dunkel der Raum ist, versuche ich, mit dem vorhandenen Licht das Beste herauszuholen. Ich finde, dadurch bekommt das Bild mehr Spannung.

Wie würdest du deinen Bildstil selbst beschreiben?

Fröhlich, authentisch, unverfälscht und echt. Mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich auf meine Brautpaare zugehen muss, um eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Es gibt keine bestimmten Orte oder Posen, die ich mir für die Shootings im Vorfeld ausdenke. Alles entsteht aus dem Bauch heraus, im selben Moment.

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