Test

Großer Test zur Samsung NX1

Auf der photokina 2014 sorgte Samsung mit der NX1 für einen Paukenschlag: Ein 28-Megapixel-Sensor-APSC-Sensor, superschneller Autofokus, beeindruckende Serienaufnahmen und volle 4K-Video-Unterstützung ließ nicht nur die Konkurrenz aufhorchen. Im ausführlichen DigitalPHOTO-Praxistest prüfen wir, ob die spiegellose Systemkamera den Vorschusslorbeeren gerecht wird.

Samsunf NX1: Die Fakten

Samsung-Kameras spalten traditionell die Gemüter: Während der Elektronikriese seit einigen Jahren sehr gute Kompakte und Spiegellose produziert (beispielsweise die NX30), konnten Foto-Enthusiasten bislang eher selten etwas mit den Kameras aus Südkorea anfangen. Die NX1 schickt sich nun an, dies zu ändern: Samsung hat seinem neuen Top-Modell ein mehr als beeindruckendes Feature-Set verpasst, bei dem nicht nur der Foto-Profi, sondern auch die Konkurrenz aufhorcht. Das beginnt schon beim Sensor, der mit seiner 28,2-Megapixel-Auflösung die APS-C-Konkurrenz in den Schatten stellt. Das liegt nicht nur an der Rekord-Pixeldichte, sondern auch an der rückseitigen Belichtung. BSI-Sensoren sind lichtstärker, was sich auch bei der NX1 bemerkbar macht. Nebenbei filmt die Systemkamera in 4K mitsamt eines neuen platzsparenden Codecs und nimmt Serienbilder in Rekordgeschwindigkeit auf. Den Profi-Anspruch untermauert Samsung nicht nur mit der Ausstattung, sondern auch mit dem Preis der NX1: 1.500 Euro verlangen die Koreaner für den Body – jenseits vom Vollformat ein ordentliches Pfund. Alternativ bietet Samsung die NX1 im Set mit einem 16-50mm-Standardobjektiv zur UVP von 1.699 Euro sowie mit dem parallel zum CSC-Flaggschiff eingeführten 50-150mm-Telezoom an, das über die gesamte Brennweite eine Blende von f/2,8 bietet und die kleinbildäquivalente Brennweite von 77 bis 231 Millimetern abdeckt. Der Preis für die Edel-Kombi: rund 2.600 Euro. Ob sich die Investition lohnt, klärt unser Test.

Hervorragendes Handling

Trotz guter Leistungen verbinden viele Fotografen Samsung-Kameras mit einer eher durchwachsenen Haptik. Wer die NX1 mit diesem Hintergedanken zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird schnell eines Besseren belehrt: Trotz des geringen Gewichts (ohne Objektiv bringt die NX1 550 Gramm auf die Waage) fühlt sich der Body mit Magnesiumlegierung hervorragend an. Alle Bedienelemente lassen sich gut erreichen, lediglich die rückseitigen Einstellknöpfe sind für unseren Geschmack ein wenig zu klein geraten. Praktisch: Die Funktionen der Rändelräder können nach eigenem Gusto belegt werden, so dass Sie beispielsweise die Blende und die Belichtungszeit im manuellen Modus schnell und zielsicher anpassen können.

Ein wahres Highlight der NX1 ist die Kombination aus elektronischem Sucher und dem großen Touchscreen. Die Kamera schaltet dank Augensensor zuverlässig zwischen den beiden Systemen um, sobald der Fotograf durch den Sucher schaut. Dieser löst mit rund 2,36 Millionen Bildpunkten nicht nur erfreulich scharf auf, sondern reagiert auch nahezu verzögerungsfrei – selten kam ein Systemkamera-Sucher so nahe an die Nutzererfahrung einer klassischen DSLR heran. Wer manuell fokussiert, findet mit dem im Sucher integrierten Focus Peaking einfach den richtigen Schärfepunkt. Neben dem Sucher überzeugt auch das Touch-Display, das die Fotos dank Super-AMOLED-Technologie nicht nur realistisch darstellt, sondern auch Zugriff auf fast alle Bedienfunktionen bietet. Unter anderem lassen sich Autofokus und Belichtung steuern, was intuitiv und schnell von der Hand geht. Zusätzlich ist es nach oben und unten neigbar. Ein analoges Display auf der Oberseite der NX1 bietet zusätzlich einen Überblick über alle Aufnahmeparameter – eine Seltenheit in der CSC-Welt.

Tolle Fotos in Rekordtempo

Die Grundlagen stimmen also, doch wie sieht es mit der Bildqualität aus? Um es kurz zu machen: ganz hervorragend! Im Zusammenspiel mit Samsungs neuem Bildprozessor DRIMe V produziert der Bildsensor scharfe, detailgetreue und rauschfreie Fotos. Ein besonderes Lob sprechen wir dabei der Nachbearbeitung aus, die sich im Vergleich zu älteren Samsung-Kameras auf einem absolut akzeptablen Niveau befindet – übertriebene Kantenglättung oder Weichzeichnung suchen wir erfreulicherweise vergeblich. Kleiner Wermutstropfen: Schon ab ISO 1600 weisen die Fotos ein sichtbares Rauschen auf, wirklich störend wird es aber erst ab ISO 6400. Rekordverdächtig ist die Serienbildfunktion: Der DRIMe V stemmt satte 15 Bilder pro Sekunde, die gleichzeitig als RAW und JPEG auf der Speicherkarte landen – hier zeigt Samsung der Konkurrenz die Rücklichter. Wenn auch nicht jedes Foto perfekt gelingt, können wir festhalten: Wer schnelle Bewegungen Bild für Bild einfangen will, wird seine Freude an der Systemkamera haben. Erfreulicherweise kann der Autofokus der Samsung NX1 mit der hohen Aufnahmegeschwindigkeit mithalten. Mit seinen 205 Phasen-Messfeldern (davon 153 mit Kreuzsensor-Empfindlichkeit) sowie 209 Kontrast-Messfeldern deckt der Hybrid-Autofokus fast das komplette Bild ab und liegt in der Praxis so gut wie nie daneben. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen stellt die NX1 nicht nur treffsicher, sondern vor allem rasend schnell scharf. In der Praxis ist die NX1 damit für die Abendund Nachtfotografie geeignet. 

Vor allem in Kombination mit dem 50-150mm-Edelzoom (s. Tabelle rechts) lässt die NX1 ihre Muskeln spielen: Schon bei Offenblende ist die Verzeichnung zu vernachlässigen, die Vignettierung fällt übe die komplette Brennweite nur minimal ins Gewicht – kurzum: Die teure Optik ist ein hervorragender Partner für die NX1. Auch bei der Videoaufzeichnung kann Samsungs Neue punkten. Ähnlich wie Panasonics

GH4 nimmt die NX1 Videos auf Wunsch in 4K (4096 °— 2160 bei 24 Bildern pro Sekunde) und UHD (3840 x 2160, 30 fps) auf, komprimiert diese aber mit dem modernen h.265-Codec. Das bedeutet, dass gegenüber dem alten h.264-Codec bei gleichbleibender Qualität mehr als doppelt so viel Material gefilmt werden kann. Doch auch unabhängig davon überzeugt die Samsung NX1 beim Videodreh. Vor allem der kontinuierliche Autofokus kann hier punkten: Ohne störendes Motorensummen stellt die NX1 bewegte Bilder sauber scharf und produziert sehr gute Videos. 

Vielseitig, aber nicht perfekt

Samsung-typisch bietet die NX1 so gut wie alle aktuellen Extrafunktionen: Bilder und Videos lassen sich via WLAN im schnellen AC-Standard mit bis zu 80 Mbit/s auf PC, Smart-Geräte oder Fernseher übertragen, die Kommunikation klappt zudem mit NFC auf Wunsch schon per Berührung. Alternativ können Fotos und Videos per USB 3.0 oder Bluetooth 3.0 übertragen werden. Die Videoaufnahme kann per HDMI-Kabel auf einen externen Rekorder erfolgen, außerdem bietet Samsung die Option, die meisten Funktionen der NX1 per App von einem Smartphone oder Tablet aus fernzusteuern. Beim Filmen sorgt das integrierte Mikrofon bereits für einen vollen Klang; sollte dieser nicht ausreichen, lässt sich ein externes Mikro sowie ein Kopfhörer anschließen. Selbst der integrierte Blitz mit seiner Leitzahl von 11 kann im Alltag überzeugen und bei Bedarf natürlich per Zubehörschuh ersetzt werden. Allen Lobeshymnen zum Trotz ist auch die Samsung NX1 noch nicht perfekt. Profis werden einen zweiten SD-Kartenslot ebenso vermissen wie die Möglichkeit, ein Blitzsynchronkabel anzuschließen. Angesichts des üppigen Funktionsumfangs der Samsung NX1 wundern wir uns zudem, dass das GPS-Tagging der Fotos nur per separatem Bluetooth-Sender möglich ist. 

Fazit

Samsung trifft ins Schwarze: Mit der NX1 liefern die Koreaner nicht nur eine der besten spiegellosen Systemkameras überhaupt, sondern setzen auch ein Ausrufungszeichen im Konkurrenzkampf mit Canon, Sony und Co. Von der hochwertigen Verarbeitung über die gelungene Bedienung und tolle Ausstattung bis hin zur hervorragenden Bildqualität kann das neue Topmodell fast vollständig überzeugen. Details wie das Rauschverhalten bei höherer ISO-Empfindlichkeit und den fehlenden Dualkartenslot verzeihen wir angesichts der Gesamtleistung gerne.

Bewertung
Name
Samsung Samsung NX1
Pro
  • 4K- und UHD-Videoaufnahmen möglich
  • Schwenkbares Super-AMOLED Touchscreen
  • Die Statusanzeige an der Oberseite verfügt über eine Beleuchtungsoption
  • Gehäuse aus Magnesiumlegierung
  • GPS-Tagging über Bluetooth
  • Adobe Lightroom 5 im Lieferumfang
Contra
  • Zweites Kartenfach wäre wünschenswert
Preis
(Handel/UVP) 1.499 €/1.499 €
Bewertung
(94%)
Mehr zum Thema
zur Startseite