Die Mitzieh-Technik

Bringen Sie Dynamik in Ihren Aufnahmen

20.12.2012, 15:19 Uhr

Mitziehen

Razvan / iStockphoto.com

Mit einer kurzen Verschlusszeit lassen sich Bewegungen im Bild einfrieren. Dieses Rezept für Action- und Sportfotos ist den meisten Fotografen bekannt. Indem Sie aber eine etwas längere Belichtungszeit wählen und Ihre Kamera parallel zu dem sich bewegenden Motiv mitschwenken, erzielen Sie ein anderes Ergebnis: eine starke, kreative Unschärfe im Hintergrund, aber ein scharf abgebildetes Motiv im Vordergrund. Das verleiht Ihrem Bild ein aufregendes Gefühl von Geschwindigkeit. Für perfekte Mitzieh-Fotos ist die Kombination aus richtiger Verschlusszeit und gleichmäßigem Schwenk wichtig. Es ist etwas Übung nötig, bis alles passt. Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

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Für die Einstellung der passenden Verschlusszeit ist entscheidend, wie schnell sich das Objekt bewegt und wie groß der Abstand zur Kamera ist. Jogger und Radfahrer, die nur wenige Meter von Ihrem Objektiv entfernt sind, können mit einer etwas längeren Belichtungszeit von ca. 1/15 Sekunde aufgenommen werden. Für vorbeirasende Autos hingegen wählen Sie eine kürzere Verschlusszeit. Es ist wichtig, ganz sanft mitzuziehen. Fangen Sie möglichst früh mit dem Schwenk an und verfolgen Sie die Motivbewegung gleichmäßig. Drücken Sie den Auslöser zwischendurch und ziehen Sie auch nach dem Auslösen noch ein Stück mit. Versuchen Sie zunächst, ausschließlich horizontale Mitzieher zu üben. Wenn Ihr Timing sitzt, können Sie Ihren Bildern noch mehr Dynamik verleihen, indem Sie beim Mitziehen den Bewegungswinkel leicht verschieben.

Hier sind nochmal die wichtigsten Schritte für den Mitzieh-Effekt im Überblick:
1. Zeitpriorität wählen
Für ein gleichmäßiges Ergebnis wählen Sie den Zeitpriorität-Modus (S/Tv) und stellen Sie die für Ihr Motiv geeignete Verschlusszeit ein (hier: 1/40 Sek).
2. Manuell fokussieren
Für Objekte mit vorhersehbarer Bewegungsrichtung, wie z.B. Autos oder Fahrräder, fokussieren Sie lieber manuell. Legen Sie vorab den Fokus auf einen bestimmten Punkt der Strecke, an dem Sie dann im richtigen Moment auslösen.
3. In Position gehen
Stellen Sie sich mit dem Gesicht in die Richtung, in welche Sie fotografieren wollen. Richten Sie Ihren Oberkörper zur Startposition des Motivs aus, so dass Sie sich bei der Aufnahme ohne Fußbewegungen mitdrehen können.
4. Und los geht's!
Passen Sie den Bildausschnitt möglichst früh an, am besten noch bevor das vorbeifahrende Objekt den Aufnahmepunkt erreicht hat. Mithilfe der Fokuspunkte im Sucher können Sie die Objektpositionen während des Schwenks vergleichen.
5. Serienaufnahme machen
Damit Sie später mindestens ein gelungenes Bild haben, machen Sie bei der Mitzieh-Technik direkt Serienaufnahmen von 3 bis 4 Bildern. Achten Sie immer darauf, den Kameraauslöser möglichst sanft zu drücken.
6. Mitziehen fortsetzen
Widerstehen Sie der Versuchung, gleich nach dem Auslösen Ihre Bilder anzuschauen, sondern ziehen Sie so lange wie möglich mit Ihrem Motiv mit. Das hilft dabei, Ihre Mitzieher sanft und gleichmäßig werden zu lassen.

TIPP: Die passende Belichtungszeit

  • Für Läufer: 1/8 - 1/15 Sekunde
  • Für Fahrräder: 1/15 - 1/60 Sekunde
  • Für Autos: 1/60 - 1/250 Sekunde